Ruhetag – und warum wir eigentlich nach Rom radeln
Nach sieben Tagen hintereinander auf dem Velo war es Zeit für einen Ruhetag. Und wo könnte man den besser verbringen als am Meer? In Marina di Massa haben wir unweit des Strandes günstig ein ganzes Appartement gefunden – perfekte Voraussetzungen für einen Tag „dolce far niente“.
Wobei … wer Beatrice kennt, weiss: Ruhetag heisst lediglich, dass nicht geradelt wird. Dafür wird kilometerweit „spaziert“. 😂
Was natürlich nicht fehlen durfte: ein ausgiebiges Schwimmen im Meer. Herrlich! Genau dafür liebe ich das offene Wasser.
Aber warum fahren wir eigentlich nach Rom?
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Wir hatten uns vorgenommen, dieses Jahr erst nach den Sommerschulferien nochmals auf eine längere Reise zu gehen. Wenn die grosse Ferienwelle vorbei ist, wird es ruhiger, die Temperaturen sind angenehmer – und der September ist dafür eigentlich perfekt. Wobei: Nächste Woche beginnen bereits wieder die Herbstferien. Mal schauen, wie viele Landsleute uns dann entgegenkommen. 😉
Der zweite Grund ist ein ganz besonderer: Zwei Tage vor unserer Abreise feierten Beatrice und ich unseren 40. Hochzeitstag.
Zusammen mit vielen lieben Freunden und Wegbegleitern durften wir bei Strübins in Maisprach ein wunderschönes Fest erleben. Feines Essen, perfektes Wetter, grossartige Stimmung – für uns ein unvergesslicher Tag.
Und irgendwie passt es doch: 40 Jahre gemeinsam unterwegs – und zwei Tage später machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Rom. ❤️
Warum gerade die Via Francigena?
Die Via Francigena ist viel älter als unsere Gravelbikes. Ihre berühmteste historische Beschreibung geht auf Sigeric, den Erzbischof von Canterbury, zurück, der im Jahr 990 nach Rom reiste und seine Etappen dokumentierte.
Heute kann man diesen historischen Pilgerweg nicht nur zu Fuss erleben. Für Velofahrer wurde eine eigene Route entwickelt, die möglichst nahe am Pilgerweg bleibt, aber Nebenstrassen, lokale Velorouten und Abschnitte des europäischen EuroVelo-Netzes nutzt.
Die EuroVelo 5 – Via Romea (Francigena) führt heute sogar über rund 3’250 Kilometer durch sieben Länder von England über Mitteleuropa und die Alpen nach Italien – über Rom hinaus bis Brindisi.
Und genau diese Mischung erleben wir jeden Tag: historische Pilgerwege, kleine Strassen, Gravel, Flussdämme, Velowege – manchmal hervorragend, manchmal abenteuerlich und gelegentlich fragt man sich schon, wer diesen Track eigentlich mit dem Velo getestet hat. 😅
Unterwegs begegnen wir immer wieder Wanderern, die tatsächlich zu Fuss Richtung Rom unterwegs sind. Für mich kaum vorstellbar! Mit dem Velo sind wir zwei- bis dreimal schneller, können grosse Distanzen zurücklegen und erleben die Landschaft trotzdem intensiv.
Und wer brachte uns überhaupt auf diese Idee?
Mein ehemaliger Triathlonkumpel und heutiger Bikepacking-Gleichgesinnter Daniel Zenklusen. Er ist diese Route vor einem Jahr zusammen mit Susanne gefahren und hat damit bei mir offenbar einen kleinen Virus hinterlassen.
Während wir nun ihren Spuren Richtung Rom folgen, sind die beiden bereits beim nächsten Abenteuer – momentan in Marokko. 😄
Und genau das gefällt mir an dieser Reise besonders:
Für ein grosses Abenteuer müssen wir nicht zuerst in die USA, nach Neuseeland oder Asien fliegen.
Wir sind in der Schweiz in den Zug gestiegen, vier Stunden später in Orsières ausgestiegen – und seither über den Grossen Sankt Bernhard, durch das Aostatal, die Reisfelder des Piemonte, entlang von Ticino und Po, über den Apennin und bis ans Mittelmeer gefahren.
Und vor uns liegen jetzt die Hügel der Toscana, Siena und irgendwann Roma.
Das Schöne liegt manchmal erstaunlich nahe. Man muss nur losfahren. 🚴♂️