Umkehrpunkt Rom – jetzt geht’s wieder nordwärts!
Am Samstag hiess es Abschied nehmen von Rom. Die Gravelbikes waren gepackt, und die rund 2,5 Kilometer zum Bahnhof Termini sollten eigentlich ein gemütliches Einrollen werden.
Denkste! Ausgerechnet auf diesem kurzen Stück verabschiedete sich meine rechte elektronische Schaltung. 🙈 Zum Glück war der Bahnhof nicht weit, sodass ich die letzten Meter im kleinsten Gang hinstrampeln konnte.
Von Rom nach Bologna – mit Schaltproblemen, Hotelärger und italienischer Lebensfreude!
Am Samstag hiess es Abschied nehmen von Rom. Die Gravelbikes waren gepackt, und die rund 2,5 Kilometer zum Bahnhof Termini sollten eigentlich ein gemütliches Einrollen werden.
Denkste! Ausgerechnet auf diesem kurzen Stück verabschiedete sich meine rechte elektronische Schaltung. 🙈 Zum Glück war der Bahnhof nicht weit, sodass ich die letzten Meter im kleinsten Gang hinstrampeln konnte.
Da wir keinen schnellen Zug mehr buchen konnten, nahmen wir den Regionalzug nach Bologna. Eine Stunde länger unterwegs, dafür gemütlich und ohne Stress mit den Fahrradstellplätzen. Auch nicht schlecht!
In Bologna wird’s teuer – zumindest beinahe!
Im gebuchten Hotel, das Beatrice bereits von einer früheren Reise kannte, war es mit der Gemütlichkeit allerdings vorbei.
An der Reception schickte man uns mit den Velos in die Garage nebenan. Dort gab’s zwei Tickets – und eine böse Überraschung:
15 Euro pro Tag für Beatrices E-Gravel und 5 Euro für mein Gravelbike!
Für unsere zwei Nächte also satte 40 Euro Veloparkgebühren! 😳
So etwas habe ich auf meinen vielen Radreisen rund um die Welt noch nie erlebt. Und auf der gesamten Via Francigena von Aosta bis Rom sowieso nicht!
Das Ärgerliche: Weder bei der Buchung noch auf der Hotelwebsite war ein entsprechender Hinweis zu finden.
Also wurde verhandelt. Reception, diensthabende Chefin, Kundendienst von booking.com und schliesslich auch die Hoteldirektorin per WhatsApp welche gerade dienstfrei hatte. Zunächst ohne Erfolg.
Doch während unseres Nachtessens klingelte plötzlich das Telefon: Das Hotel übernimmt 30 Euro, wir bezahlen nur noch 10 Euro!
Geht doch! 😅 Jetzt hoffen wir bloss, dass die Abmachung am Montag beim Check-out auch funktioniert.
Bologna – eine Stadt voller Leben!
Nach all dem Ärger konnten wir die Stadt endlich geniessen. Und Bologna zeigte sich von ihrer lebendigsten Seite!
Überall Menschen, volle Gassen, Restaurants und Bars. Quadrilatero – so heisst das kulinarische Viertel. Ein Labyrinth enger Gassen mit traditionellen Lebensmittelgeschäften, Salumerien, Pasta-Läden und kleinen Lokalen. Hier lässt sich Bologna nicht nur anschauen, sondern vor allem schmecken.
Kurz nach dem Nachtessen fielen wir todmüde ins Hotelbett und schliefen beinahe zehn Stunden. Offenbar hatten wir etwas Nachholbedarf. 😴
Sonntag – Türme, Kirchen und mutige Seiltänzer
Nach einem ausgiebigen Hotelfrühstück stand Sightseeing auf dem Programm. Beatrice hatte selbstverständlich bereits einen Plan!
Piazza Maggiore, Basilika San Petronio und Le Due Torri, die berühmten schiefen Türme Bolognas. Letztere waren leider wegen Sicherheitsbedenken geschlossen.
Dafür gab’s an diesem Wochenende eine ganz besondere Attraktion: Mehrere historische Türme waren mit langen Stahlseilen verbunden, auf denen sich wagemutige Slackliner in schwindelerregender Höhe bewegten.
Ein spektakuläres Schauspiel mitten über den Dächern Bolognas! Unglaublich, was diese Leute für ein Gleichgewichtsgefühl haben! Als Schwimmtrainer würde ich sagen: Koordinative Fähigkeiten auf allerhöchstem Niveau – und das ohne Wasser als Sicherheitsnetz!
So wurde aus dem geplanten Zwischenstopp ein weiterer erlebnisreicher Aufenthalt in einer Stadt, die ich bisher kaum kannte.
Rom war unser südlichster Punkt – jetzt geht die Reise wieder nordwärts.
Wohin genau? Das werden wir sehen. Das Wetter soll jedenfalls mitspielen, und unsere Gravelbikes sind noch lange nicht fertig mit Italien!
Unterdessen spielt meine Schaltung auch wieder mit - dazu brauchte ich nur eine neue 2032er Knopfbatterie, welche ich in meinem Werkzeugkasten mitgenommen habe…
Rom, Tag 2 – Mit dem Pilgerpass in den Petersdom!
Unser zweiter Tag in Rom begann gemütlich. Keine Lust, selbst Frühstück zu machen, also ab in die Cafeteria nebenan: Caffè, succo d’arancia und Cornetto. Dazu die grosse Frage: Wie geht unsere Reise morgen weiter?
Sonne, Meer, weitere italienische Städte oder doch Richtung Tirol? Möglichkeiten gäbe es viele! Ein erster Entscheid ist gefallen:
Ein Stück Papier öffnet plötzlich alle Türen! 😇
Unser zweiter Tag in Rom begann gemütlich. Keine Lust, selbst Frühstück zu machen, also ab in die Cafeteria nebenan: Caffè, succo d’arancia und Cornetto. Dazu die grosse Frage: Wie geht unsere Reise morgen weiter?
Sonne, Meer, weitere italienische Städte oder doch Richtung Tirol? Möglichkeiten gäbe es viele! Ein erster Entscheid ist gefallen: Morgen nehmen wir den Zug nach Bologna, bleiben dort einen Tag und radeln anschliessend bei hoffentlich schönem Wetter weiter nordwärts.
Aber zuerst hatten wir heute noch eine wichtige Mission: Unser Testimonium der Via Francigena abholen!
Mit der Metro ging’s Richtung Petersplatz, wo uns bereits gewaltige Menschenmassen entgegenströmten. Am Infopoint erhielten wir einen weiteren Pilgerstempel und eine Wegbeschreibung zur Pilgerstelle.
Gar nicht so einfach, denn Hunderte, wenn nicht Tausende Menschen standen Schlange, um in den Petersdom zu gelangen.
Und jetzt kam unser Pilgerpass ins Spiel!
Mit diesem durften wir an den langen Warteschlangen vorbeiziehen, durch die Sicherheitskontrolle und direkt zur Pilgerstelle. Fast wie mit einem VIP-Pass! 😎
Vor uns stand eine Niederländerin, die tatsächlich von Canterbury bis nach Rom zu Fuss gepilgert war! Rund drei Monate und mehr als 2’000 Kilometer!
Da kamen wir uns mit unseren etwas über 1’000 Kilometern ab Orsières auf den Gravelbikes plötzlich ziemlich bescheiden vor. 😂
Dann war es so weit: der letzte Stempel in roter Tinte, unsere Unterschriften auf dem Testimonium und sogar ein offizielles Erinnerungsfoto!
Geschafft! Unsere Via Francigena ist nun auch offiziell vollendet! 🇮🇹
Und das Beste kam erst noch: Mit unserem Pilgerpass durften wir anschliessend ohne stundenlanges Anstehen direkt in den Petersdom!
Was für ein Bauwerk! Ich habe noch nie eine derart gewaltige und gleichzeitig wunderschöne Kirche besichtigt. Bisher war für mich die Moschee-Kathedrale von Córdoba das beeindruckendste religiöse Bauwerk. Der Petersdom ist nochmals deutlich grösser – aber welches der beiden Monumente schöner ist, bleibt Geschmackssache. Ich finde beide schlicht fantastisch!
Als wir den Petersdom verliessen, begann es zu regnen. Zum ersten Mal auf dieser Reise musste ich meine neue Gore-Regenjacke auspacken!
In einem kleinen Restaurant feierten wir diesen besonderen Tag schliesslich mit einem Häppchen und einem wohlverdienten Bier. 🍻
Über 1’000 Kilometer auf zwei Rädern, unzählige Erlebnisse und jetzt das Testimonium in den Händen.
Ein schönerer Abschluss unserer Pilgerreise ist kaum vorstellbar!
Roma, grazie mille! ❤️
Mein heutiges Lieblingsbild! Ein Schweizer Gardist schaut nach, wann er Feierabend hat 😂
Roma – zwischen Antike und Touristenwahnsinn!
Ein Tag in Rom – oder: Wo kommen bloss all diese Leute her?
Geschätzte 15 Jahre ist es her, seit wir Rom das letzte Mal besucht hatten. Damals mit unseren Kindern, die gerade im Teenageralter waren, ebenfalls während der Herbstferien.
Aber was wir heute erlebten, hat uns beinahe umgehauen!
Ein Tag in Rom – oder: Wo kommen bloss all diese Leute her?
Geschätzte 15 Jahre ist es her, seit wir Rom mit unseren damals noch jugendlichen Kindern besucht hatten – ebenfalls während der Herbstferien.
Aber was wir heute erlebten, hat uns beinahe umgehauen! Rom platzt aus allen Nähten! 🙈
Am Kolosseum, Trevibrunnen oder an der Spanischen Treppe: unglaubliche Menschenmassen. Und tatsächlich bestätigen die recherchierten Zahlen unseren Eindruck. Während Rom 2010 rund 26,5 Millionen touristische Übernachtungen verzeichnete, waren es 2025 bereits rund 53 Millionen. Praktisch eine Verdoppelung in 15 Jahren!
Mit der Metro direkt in die Antike
Unser Tag begann an der neuen Metrostation Porta Metronia, gleich neben unserer Unterkunft. Sie wurde erst im Dezember 2025 eröffnet und ist etwas Besonderes: Beim Bau entdeckte man eine rund 1’900 Jahre alte römische Militärkaserne! Statt alles abzuräumen, integrierte man die archäologischen Funde in die neu geplante Station.
Eine Station weiter stiegen wir beim Kolosseum aus – und standen mitten in einer Völkerwanderung. Ein spontaner Besuch im Innern? Aussichtslos!
Beatrice plant – MapOut navigiert!
Beatrice bestimmte die Sehenswürdigkeiten, ich übernahm mit meiner digitalen Karten-Allzweckwaffe MapOut die Navigation.
Kolosseum, Forum Romanum, Pantheon, Trevibrunnen, Spanische Treppe – alles auf unserer Liste. Was auf der Karte nach einem gemütlichen Spaziergang aussah, wurde stellenweise zum Hindernislauf zwischen Reisegruppen, Selfiesticks und unzähligen Smartphones.
Zum Glück fanden wir zwischendurch eine etwas abgelegene Bar für eine kleine Stärkung.
Der Elefant mit dem frechen Hinterteil
persönlicher Favorit war der Elefantino von Bernini hinter dem Pantheon. Ein kleiner Marmorelefant trägt einen ägyptischen Obelisken.
Der Legende nach liess Bernini den Elefanten absichtlich seinen Allerwertesten zum benachbarten Dominikanerkloster richten – als Rache für die Einmischung eines Geistlichen in seine Arbeit.
Ob wahr oder nicht – die Geschichte gefällt mir! 😂
Eigentlich wollten wir auch noch bei Giorgia Meloni vorbeischauen. Aber sie war offenbar gerade mit der italienischen Politik beschäftigt, indem sie just an diesem Tag ein neues Wahlgesetz durchboxte, das bei den Bürgern gar nicht gut ankommt. Also keine Audienz für zwei Schweizer Velopilger;-)
Spanische Treppe – hoffnungslos überfüllt!
Unser letzter Hotspot war die Spanische Treppe. Derart viele Menschen, dass man meinen konnte, alle warteten auf den Auftritt eines Superstars!
Danach quetschten wir uns in die vollgestopfte Metro zurück zur Porta Metronia.
Sightseeing kann anstrengender sein als eine 100-Kilometer-Etappe mit dem Gravelbike!
Ziemlich k. o. verzichteten wir auf einen Restaurantbesuch. Stattdessen gab’s einen üppigen Aperitivo in unserer Wohnung und danach den letzten Tatort mit Lena Odenthal und Co. – eine ziemlich schräge Geschichte!
(die vielen Leute wegradiert;-)
Etappe 14 – Roma, wir haben es geschafft! 🇮🇹
Der Blick aus dem Fenster am Morgen war vielversprechend: trocken! Also nichts wie los. Vorher natürlich noch ein typisch italienisches Frühstück mit Schoggi-Gipfeli und einem Caffè doppio. So lässt sich auch eine letzte, lange Etappe gut in Angriff nehmen.
Kurz nach neun Uhr sassen wir bereits im Sattel und rollten auf welligen Strassen südwärts.
Viterbo → Rom | 115 km | 980 Hm | 6 Stunden
14 Etappen, unzählige Erlebnisse – und plötzlich sind wir in ROM!
Der Blick aus dem Fenster am Morgen war vielversprechend: trocken! Also nichts wie los. Vorher natürlich noch ein typisch italienisches Frühstück mit Schoggi-Gipfeli und einem Caffè doppio. So lässt sich auch eine letzte, lange Etappe gut in Angriff nehmen.
Kurz nach neun Uhr sassen wir bereits im Sattel und rollten auf welligen Strassen südwärts. Eines war allerdings klar: Heute kein Gravel mehr! Beatrices Handgelenk hatte beim Sturz doch einiges abbekommen, wie die inzwischen ziemlich violette Verfärbung deutlich zeigte. Also hatte ich eine Route ausschliesslich auf Asphalt zusammengestellt.
Das war allerdings einfacher gesagt als getan. Denn auf vielbefahrenen italienischen Strassen ohne Pannenstreifen macht Radfahren nicht immer Spass.
Aber jetzt muss ich den italienischen Autofahrern ein grosses Kränzchen winden!
Was wir hier erleben, ist wirklich bemerkenswert. Autos bleiben geduldig hinter uns, bis sie mit genügend Seitenabstand – mindestens 1,5 Meter – überholen können. Und das nicht etwa vereinzelt, sondern gefühlt bei 99,9 % aller Autofahrer!
Ob das in der Schweiz auch so selbstverständlich wäre? Ich habe da meine Zweifel …
Und die restlichen 0,1 %? Nun ja, die bekommen gelegentlich einen Stinkefinger oder ein paar deutliche Worte zu hören. Besonders wirkungsvoll, wenn diese von einer Frau kommen – das scheint manchen italienischen Macho besonders zu treffen. 😂
Ein letzter See vor der Grossstadt
Unser Abstecher zum Lago di Bracciano erwies sich als Volltreffer. Wunderschöne Landschaft, kaum Verkehr und ein gemütlicher Mittagshalt in einer Pizzeria direkt am See. Noch einmal italienisches Landleben geniessen, bevor uns die Millionenstadt verschluckt.
Doch je näher wir Rom kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Eine vermeintlich clevere Variante über ruhige Nebenstrassen entpuppte sich als kleines Navigationsabenteuer: Fahrverbote, verschlossene Tore und Strassen, die laut Navi eigentlich durchgehend befahrbar sein sollten.
Das Navi wusste offenbar mehr als die italienischen Strassenbauer. 🙈
Irgendwann erreichten wir endlich den Tevere, den Tiber. Und dann die grosse Überraschung!
Eine Veloautobahn nach Rom – tatsächlich!
Ab Saxa Rubra, rund 20 Kilometer vor dem Zentrum, fanden wir einen durchgehenden, hervorragend fahrbaren Veloweg. Nach all dem Verkehrsstress fühlte sich das tatsächlich wie eine Veloautobahn mitten nach Rom an!
Wir konnten entspannt dem Fluss folgen und kamen der Innenstadt immer näher. Unglaublich, wie angenehm sich eine Millionenstadt auf zwei Rädern erreichen lässt, wenn die Infrastruktur stimmt.
Die letzten zwei bis drei Kilometer waren dann allerdings wieder typisch italienisch: markierte Velostreifen, die offenbar eher als Strassendekoration gedacht sind. 😅
Aber egal – wir waren am Ziel! ROMA!
Nach gut sechs Stunden Fahrzeit erreichten wir unser Appartement bei der neuen Metrostation Porta Metronia. Hier werden wir drei Nächte bleiben und die Stadt erkunden.
Unsere Wohnung im sechsten Stock ist ganz okay, auch wenn sie mit den wunderbaren Unterkünften der vergangenen zwei Wochen nicht ganz mithalten kann. Aber was soll’s – wir sind in Rom!
Im Supermarkt nebenan besorgten wir uns erst einmal das Wichtigste: etwas für den Aperitivo und ein kühles Moretti IPA. Salute – auf unsere erfolgreiche Reise! 🍻
Gegen 22 Uhr machten wir uns nochmals auf den Weg in ein nahegelegenes Restaurant. Eigentlich hatten wir gar keinen riesigen Hunger, aber die rund 3’000 verbrannten Kalorien wollten schliesslich irgendwie ersetzt werden.
Und dann passierte etwas, das man kaum besser hätte inszenieren können:
Nach zwei Wochen trockenem Wetter öffnete der Himmel plötzlich sämtliche Schleusen!
Es goss wie aus Kübeln. Ein richtiger Wolkenbruch!
Wir sassen gemütlich im Restaurant, unsere Gravelbikes standen sicher im Trockenen und draussen ging die Welt beinahe unter.
14 Etappen lang hatte Petrus seine Schleusen geschlossen gehalten – kaum sind wir in Rom, lässt er alles raus! 😂
Besser hätte man das Wetter wirklich nicht timen können.
Und irgendwie ist es schon ein besonderes Gefühl, nach all den Kilometern, Höhenmetern, Schotterpisten, kleinen Pannen und grossartigen Begegnungen tatsächlich mit den eigenen Velos in Rom angekommen zu sein.
Was für eine Reise – und was für ein gemeinsames Abenteuer!
Ruhetag in Viterbo – 1005 Tage bis weisser Rauch
Tja … nachts muss es tatsächlich geregnet haben. Als wir morgens zum Frühstück gingen, war es allerdings trocken – und von weiterem Regen keine Spur. Haben wir unseren Ruhetag etwa umsonst eingelegt? 😅
Ein Blick aufs Regenradar beruhigte das Gewissen: Wären wir Richtung Rom losgefahren, wären wir vermutlich direkt in eine Regenzelle hineingeradelt. Und nach 13 Etappen darf man sich ja auch einen zusätzlichen Ruhetag gönnen.
Tja … nachts muss es tatsächlich geregnet haben. Als wir morgens zum Frühstück gingen, war es allerdings trocken – und von weiterem Regen keine Spur. Haben wir unseren Ruhetag etwa umsonst eingelegt? 😅
Ein Blick aufs Regenradar beruhigte das Gewissen: Wären wir Richtung Rom losgefahren, wären wir vermutlich direkt in eine Regenzelle hineingeradelt. Und nach 13 Etappen darf man sich ja auch einen zusätzlichen Ruhetag gönnen.
Also: Heute keine Velos – dafür Viterbo!
Und das hat sich gelohnt. Wenn man sich Autos, Vespas und den ganzen modernen Kram aus den engen Gassen wegdenkt, könnte man tatsächlich glauben, mitten im Mittelalter gelandet zu sein.
Viterbo blickt auf eine spannende Geschichte zurück und war im Mittelalter zeitweise sogar Sitz der Päpste. Besonders kurios ist die Geschichte des berühmten Konklaves nach dem Tod von Papst Clemens IV.:
Die Kardinäle brauchten sage und schreibe 1005 Tage, um sich auf einen neuen Papst zu einigen! 🙈
Den Bürgern von Viterbo wurde es irgendwann zu bunt. Sie schlossen die Kardinäle kurzerhand ein und reduzierten angeblich sogar deren Verpflegung auf Brot und Wasser, damit die Herren endlich zu einem Entscheid kamen.
Fast drei Jahre für eine Abstimmung – dagegen sind unsere Schweizer Abstimmungen geradezu Hochgeschwindigkeitspolitik. 😂
Natürlich wollten wir mehr darüber erfahren und besuchten den Palazzo dei Papi. Ausgerüstet mit Audioguide machten wir uns auf einen rund zweistündigen Rundgang durch die Geschichte Viterbos.
Mein persönliches Highlight: eine 3D-Animation mit VR-Brille, mit der die Vergangenheit plötzlich wieder lebendig wurde. So macht Museum Spass!
Jetzt folgt unser inzwischen bestens eingespieltes Abendprogramm: erst der obligate Aperitivo, danach etwas Feines essen. 😋
Und später wartet noch Schweiz gegen Nordmazedonien. Hoffentlich macht unsere Nati heute den Sack zu!
Morgen werden dann wieder die Gravelbikes gesattelt. Die Wetterprognose sieht gut aus – trocken soll es bleiben.
Und wenn alles klappt, nehmen wir unsere letzte Etappe unter die Räder.
Etappe 13 - Ein Schreckmoment auf dem Weg nach Rom
Der Tag begann eigentlich ganz friedlich. In Bagni San Filippo trafen wir bereits frühmorgens Menschen, die ihre Morgentoilette kurzerhand in der warmen Naturtherme erledigten. 😇 Wir verzichteten aus Zeitgründen auf das Wellnessprogramm, gönnten uns lieber ein richtiges Frühstück und machten uns auf den Weg.
San Filippo → Viterbo | 100 km, 1’242 Hm
Der Tag begann eigentlich ganz friedlich. In Bagni San Filippo trafen wir bereits frühmorgens Menschen, die ihre Morgentoilette kurzerhand in der warmen Naturtherme erledigten. 😇 Wir verzichteten aus Zeitgründen auf das Wellnessprogramm, gönnten uns lieber ein richtiges Frühstück und machten uns auf den Weg.
Nach einer ersten Abfahrt ging’s natürlich bald wieder hoch. Wir kamen ganz in die Nähe von Radicofani, und bei mir wurden Erinnerungen wach: Während der Gravel Tuscany Rally hatte ich hier mit meinem Kumpel Adi schon einmal oben im Park übernachtet. Damals Abenteuer mit dem Kollegen – heute Bikepacking mit meiner lieben Frau.
Und genau da liegt ein kleiner Unterschied: Beatrice teilt meine Begeisterung fürs Graveln durchaus – solange daraus nicht plötzlich Outback wird. 😅
Doch genau das passierte.
Der Zustand der Via Francigena wurde zunehmend schlechter. Tiefe Löcher waren mit mehreren Zentimetern grobem, losem Kies aufgefüllt – unangenehm und vor allem rutschig.
Und dann passierte es.
Beatrices Vorderrad rutschte weg und sie stürzte heftig auf den rauen Untergrund – ausgerechnet ohne Handschuhe. Ich war vielleicht 100 Meter voraus und bekam überhaupt nichts mit. Erst als ich sie in meinem Rückspiegel nicht mehr sah, wurde ich stutzig, drehte um – und fand sie weinend am Boden. 🙈
Das war ein Moment, den niemand auf einer solchen Reise braucht.
Die Hände hatten einiges abbekommen, ebenso der linke Ellenbogen und die Knie. Zum Glück stellte sich nach dem ersten Schreck heraus: schmerzhafte Schürfungen und Prellungen, aber offensichtlich nichts gebrochen. Mitten im Nirgendwo hätte das sonst richtig schwierig werden können.
Wir versorgten die Wunden so gut es ging und schoben die Bikes die nächsten zwei Kilometer zu Fuss, bis wir wieder Asphalt unter den Reifen hatten.
Und dort fiel ein gemeinsamer Entscheid:
Schluss mit den schlechten Schotterpisten! Wir wollen schliesslich heil und mit einem Lächeln in Rom ankommen.
Auch das Bike hatte Glück – lediglich ein Bidonhalter ging zu Bruch.
Nach Panini und einem Bier sah die Welt bereits wieder etwas freundlicher aus. Und Beatrice? Die sass tatsächlich wieder auf ihrem Bike und fuhr weiter. Sie ist hart im Nehmen!
Am Nachmittag erreichten wir den Lago di Bolsena. So richtig sprang der Funke bei uns dort allerdings nicht über – also weiter. Und wie könnte es anders sein: natürlich nochmals bergauf. 😂
Bei Montefiascone auf rund 650 m wurden wir dafür mit einer fantastischen Aussicht über den riesigen Lago di Bolsena belohnt. Danach endlich die verdiente Gegenleistung: 16 Kilometer rassige Abfahrt nach Viterbo!
Mitten in der historischen Altstadt bezogen wir ein wunderschönes Appartement. Unser Vermieter Antonio spendierte uns sogar kostenlos ein Upgrade auf eine grössere Wohnung, damit auch unsere Gravelbikes sicher untergebracht werden konnten.
Grazie Antonio!
Und was für eine Wohnung: moderne Einrichtung hinter alten Mauern – inklusive eigener Sauna neben dem Wohnzimmer.
Am Abend dann noch eine Premiere: Es begann zu regnen. Der erste Regen seit 14 Tagen!
Die Prognose für morgen versprach noch deutlich mehr davon, während der Mittwoch wieder trocken werden soll. Also beschlossen wir spontan: Ruhetag Nummer zwei!
Um 23 Uhr schrieb ich Antonio per WhatsApp, ob wir noch eine Nacht bleiben könnten. Kein Problem – für einen kleinen Aufpreis gehört unser Luxusquartier nun einen weiteren Tag uns.
Zum Abschluss ging’s ins Restaurant gleich nebenan. Ausgezeichnetes Essen – obwohl ich erst danach die eher bescheidenen Google-Bewertungen von 3,7 Sternen entdeckte.
Wieder etwas gelernt: Nicht jeder Track ist fahrenswert und nicht jede Google-Bewertung ist die Wahrheit.
Und das Wichtigste nach diesem turbulenten Tag:
Beatrice geht’s gut, die Bikes stehen sicher – und Rom wartet weiterhin auf uns!
Etappe 12 – Siena → San Filippo - 74 km, 1’020 Hm
Der Tag begann standesgemäss in unserem Superappartement in Siena: feiner Espresso und gefüllte Croissants. So lässt es sich in einen 1’000-Höhenmeter-Tag starten. 😋
Kaum auf der Strasse, kamen sie uns entgegen: die Fahrer der Eroica auf ihren wunderschönen Vintage-Rennrädern. Viele waren bereits seit vier Uhr morgens unterwegs!
Wenn 45 mm Tubeless auf 19 mm Rennradreifen treffen … 🙈
Der Tag begann standesgemäss in unserem Superappartement in Siena: feiner Espresso und gefüllte Croissants. So lässt es sich in einen 1’000-Höhenmeter-Tag starten. 😋
Kaum auf der Strasse, kamen sie uns entgegen: die Fahrer der Eroica auf ihren wunderschönen Vintage-Rennrädern. Viele waren bereits seit vier Uhr morgens unterwegs!
Und da prallten Welten aufeinander: unsere Gravelbikes mit 45-mm-Tubelessreifen gegen schmale 19-mm-Reifen, Rahmenschaltung und Technik aus einer anderen Zeit. Ich bewundere diese Fahrer – aber beim besten Willen: Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, auf solchen Rädern über diese Strassen zu fahren. 😜
Kaum hatten wir Siena verlassen, waren wir mittendrin in jener Toscana, die man aus den Bildbänden kennt: sanfte Hügel, Zypressen, kleine Dörfer – und natürlich Strade Bianche.
Sehr viel Strade Bianche.
Nach rund 35 Kilometern staubigem weissem Gravel stellte ich fest, dass Beatrices Begeisterung für die weltberühmten Schotterstrassen langsam etwas nachliess. 😂
Also Planänderung. Schliesslich soll eine gemeinsame Bikepacking-Tour auch gemeinsam Spass machen. Ein paar Hügel aus der Route geschnitten und weiter entlang der Orcia durch eine wunderschöne Landschaft. Das Lächeln war wieder da. Mission erfüllt!
Zweimal stiegen wir unterwegs in kleinen Dörfern ab – etwas trinken, etwas essen, die Beine erholen und einfach das italienische Leben geniessen.
Nach 74 Kilometern und etwas mehr als 1’000 Höhenmetern erreichten wir schliesslich San Filippo.
San Filippo! 😇 Als Philippe kann man sich für eine Übernachtung in Italien eigentlich keinen passenderen Ort aussuchen. Endlich einmal eine Ortschaft, die weiss, wie man einen Gast gebührend empfängt! 😂
Und die Unterkunft setzte noch einen drauf: Für 100 Euro bezogen wir ein zweigeschossiges Boutique-House mit fast 100 Quadratmetern. Unsere Gravelbikes bekamen ebenfalls noch eine Unterkunftsleistung der besonderen Art: eine Dusche!
Nach 35 Kilometern Strade Bianche hatten sie die allerdings auch bitter nötig.
Und wir?
Aperitivo → Cena → Beine hoch.
Morgen geht die Reise Richtung Roma weiter, noch zwei Etappen…
Etappe 11 - Strade Bianche, L’Eroica und unser 100-m²-„Schnäppchen“ 😎
Castelfiorentino → Siena
63 km | 630 Hm
Nach unserem gestrigen Lucca-Touristenschock beschlossen wir, heute einen weiteren Touristenmagneten grossräumig zu umfahren: San Gimignano, das „Manhattan des Mittelalters“ mit seinen berühmten Türmen. So schön es dort auch ist – die zusätzlichen fast 1’000 Höhenmeter mussten wir uns nicht unbedingt antun. 😉
Castelfiorentino → Siena
63 km | 630 Hm
Nach unserem gestrigen Lucca-Touristenschock beschlossen wir, heute einen weiteren Touristenmagneten grossräumig zu umfahren: San Gimignano, das „Manhattan des Mittelalters“ mit seinen berühmten Türmen. So schön es dort auch ist – die zusätzlichen fast 1’000 Höhenmeter mussten wir uns nicht unbedingt antun. 😉
Also rollten wir gemütlich Richtung Poggibonsi und folgten von dort einer ehemaligen Bahntrasse. Solche Wege lieben wir! Gleichmässige, angenehme Steigung, entspanntes Rollen und trotzdem stetig bergauf.
Und natürlich durfte das, weshalb wir hier in der Toscana auch unterwegs sind, nicht fehlen: Strade Bianche! Diese weissen, staubigen Schotterstrassen gehören einfach hierher und machen mit den Gravelbikes richtig Spass. Am Ende kamen dann doch noch über 600 Höhenmeter zusammen.
Beim Zwischenhalt in Poggibonsi wollten wir auf Booking.com noch schnell unsere Unterkunft in Siena buchen. Doch was war denn hier los? Kaum freie Zimmer – und was noch verfügbar war, richtig teuer! Auch Google brachte keine Erlösung.
Erst später wurde uns klar, warum: Ausgerechnet dieses Wochenende findet hier die legendäre L’Eroica statt! Tausende Radsportbegeisterte kommen in die Toscana, um auf historischen Rennrädern und in passendem Retro-Outfit über die berühmten Strade Bianche zu fahren. Und wir zwei Gravelbiker geraten genau an diesem Wochenende mitten hinein. Was für ein Timing! 😍
Also bissen wir in den sauren Apfel und buchten für über 200 Euro das bisher teuerste Zimmer unserer Reise.
Velogarage? Fehlanzeige. Dafür durften die Bikes mit aufs Zimmer. Prima! Nur lag dieses im 4. Stock – ohne Lift. 🙈
Beim Check-in dann die überraschende Wendung: Für weitere 30 Euro könnten wir ein Appartement gleich nebenan haben. 100 m² statt 22 m², nur im zweiten Stock, mit Lift – und unsere Bikes durften selbstverständlich mit hinein.
Was macht man da? Natürlich upgraden!
Für Siena und L’Eroica-Verhältnisse fühlte sich das plötzlich tatsächlich wie ein Schnäppchen an. 😂
Da wir früh angekommen waren, blieb noch genügend Zeit für einen gemütlichen Stadtbummel durch Siena, den obligatorischen Pilgerstempel – und nach all dem italienischen Wein und italienischem Bier zur Abwechslung einmal ein richtiges deutsches Weizenbier.
Etappe 10 - Mitten im Herzen der Toskana
Orbicciano - Castelfiorentino 83 km, 650 Hm
Nach einem wunderbaren Frühstück im Old Stone House hiess es Abschied nehmen von unseren Gastgeberinnen Maura und Josy. Nochmals herzlichen Dank für die tolle Gastfreundschaft!
Zunächst ging’s flott bergab, doch die toskanischen Hügel liessen nicht lange auf sich warten.
Orbicciano - Castelfiorentino 83 km, 650 Hm
Nach einem wunderbaren Frühstück im Old Stone House hiess es Abschied nehmen von unseren Gastgeberinnen Maura und Josy. Nochmals herzlichen Dank für die tolle Gastfreundschaft!
Zunächst ging’s flott bergab, doch die toskanischen Hügel liessen nicht lange auf sich warten. Dafür wurden wir mit einer echten Rarität belohnt: feinstem italienischem Asphalt! Ja, den gibt es tatsächlich auch in Italien. 😂
Wir freuten uns besonders auf Lucca, dieses wunderschöne toskanische Bijou, das wir von früheren Reisen kannten. Doch diesmal erlebten wir eine ganz andere Stadt: Touristenmassen, wohin man schaute! Ganze Hundertschaften folgten ihren Stadtführerinnen, ausgerüstet mit drahtlosen Knöpfen im Ohr, während sie mehr oder weniger ziellos durch die Gassen schlenderten.
So hatten wir Lucca noch nie erlebt. Also nichts wie weg – unsere wohl kürzeste Stadtbesichtigung der bisherigen Reise! 😅
Dafür wartete etwas später eine umso schönere Überraschung auf uns: San Miniato! Nach einem ziemlich deftigen Aufstieg erreichten wir das historische Städtchen und wurden mit einer herrlichen Aussicht und einem besonders schönen Pilgerstempel für Beatrices Sammlung belohnt. Ein Souvenir, das uns deutlich mehr bedeutet als jeder Kühlschrankmagnet. 😇
Und nun waren wir endgültig mitten im Herzen der Toscana! Sanfte Hügel, schmucke Dörfer, wunderschöne Ausblicke und immer wieder diese für mich so faszinierenden Zypressenalleen. Genau diese Bilder hatte ich im Kopf, als wir unsere Reise planten. Hier könnte ich noch tagelang weitergraveln!
In Castelfiorentino stand schliesslich die Hotelsuche an. Booking.com zeigte uns kaum brauchbare Möglichkeiten, doch Google Maps führte uns zu einem einfachen Albergo mit eigener, ausgezeichneter Küche.
Langsam beschleicht mich der Verdacht, dass sich manche italienischen Hoteliers ganz bewusst von den grossen Buchungsplattformen fernhalten. Ob es an den Provisionen liegt? Jedenfalls zeigt sich einmal mehr: Es lohnt sich, auch abseits von Booking.com zu suchen!
Und so endete ein weiterer wunderbarer Tag mit allem, was wir an Italien lieben: herrliche Landschaften, überraschende Entdeckungen und natürlich gutes Essen.
La vita è bella – besonders auf zwei Rädern in der Toscana! 🇮🇹
Etappe 9 – Marina di Massa → Orbicciano | 45 km | 405 Hm
Nach unserem Ruhetag am Meer mussten wir zunächst zurück auf die Via Francigena. Doch dann kam mir eine vermeintlich geniale Idee: Warum nicht meinem Track vom Tuscany Trail 2019 folgen? Den war ich schliesslich schon einmal gefahren – was sollte da schiefgehen? 😇
Flashback Tuscany Trail 2019!
Nach unserem Ruhetag am Meer mussten wir zunächst zurück auf die Via Francigena. Doch dann kam mir eine vermeintlich geniale Idee: Warum nicht meinem Track vom Tuscany Trail 2019 folgen? Den war ich schliesslich schon einmal gefahren – was sollte da schiefgehen? 😇
Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Sechs Jahre später passte mein alter Track offenbar nicht mehr ganz zur Realität. Bald standen wir vor den ersten Hindernissen und sollten unsere Bikes tragen. Da kam von Beatrice eine unmissverständliche Ansage:
Sie habe keine Lust mehr, ihr Bike über irgendwelche Hindernisse zu schleppen! 😂
Damit war der Tuscany-Trail-Abstecher beendet. Wir suchten uns eine Landstrasse und fanden wenig später zurück auf die Via Francigena.
Die entschädigte uns sofort: Durch die ersten typisch toskanischen Landschaften führte sie uns über Pietrasanta und Camaiore in Richtung Lucca. Unser Tagesziel lag allerdings etwas oberhalb: Orbicciano.
Dort erwartete uns eine Einladung von Maura und Josy, die für einige Wochen das wunderschöne „The Old Stone House“ gemietet hatten. Ihre Idee gefällt uns sehr: irgendwo in Europa ein Haus mieten und die Türen für Freunde öffnen – ein echtes Open House for Friends.
Mit Andrea und Philipp waren bereits weitere Gäste da, und schnell wurde aus dem Etappenende ein geselliger Abend. Die Frauen übernahmen die Küche, wir Männer den Grill. Zumindest theoretisch: Bis das Feuer endlich brannte, war unsere technische Kompetenz kurzzeitig fraglich. 😅
Doch schliesslich glühte die Kohle, und wir sassen draussen in der Toscana bei gutem Essen, feinem italienischem Wein und noch besseren Gesprächen.
Manchmal sind es eben nicht die Kilometer und Höhenmeter, die einen Reisetag besonders machen – sondern die Menschen, die am Ende der Etappe auf einen warten. 🍷🇮🇹
Grazie di tutta cuore, Maura e Josy 😚
Ruhetag – und warum wir eigentlich nach Rom radeln
Nach sieben Tagen hintereinander auf dem Velo war es Zeit für einen Ruhetag. Und wo könnte man den besser verbringen als am Meer? In Marina di Massa haben wir unweit des Strandes günstig ein ganzes Appartement gefunden – perfekte Voraussetzungen für einen Tag „dolce far niente“.
Nach sieben Tagen hintereinander auf dem Velo war es Zeit für einen Ruhetag. Und wo könnte man den besser verbringen als am Meer? In Marina di Massa haben wir unweit des Strandes günstig ein ganzes Appartement gefunden – perfekte Voraussetzungen für einen Tag „dolce far niente“.
Wobei … wer Beatrice kennt, weiss: Ruhetag heisst lediglich, dass nicht geradelt wird. Dafür wird kilometerweit „spaziert“. 😂
Was natürlich nicht fehlen durfte: ein ausgiebiges Schwimmen im Meer. Herrlich! Genau dafür liebe ich das offene Wasser.
Aber warum fahren wir eigentlich nach Rom?
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Wir hatten uns vorgenommen, dieses Jahr erst nach den Sommerschulferien nochmals auf eine längere Reise zu gehen. Wenn die grosse Ferienwelle vorbei ist, wird es ruhiger, die Temperaturen sind angenehmer – und der September ist dafür eigentlich perfekt. Wobei: Nächste Woche beginnen bereits wieder die Herbstferien. Mal schauen, wie viele Landsleute uns dann entgegenkommen. 😉
Der zweite Grund ist ein ganz besonderer: Zwei Tage vor unserer Abreise feierten Beatrice und ich unseren 40. Hochzeitstag.
Zusammen mit vielen lieben Freunden und Wegbegleitern durften wir bei Strübins in Maisprach ein wunderschönes Fest erleben. Feines Essen, perfektes Wetter, grossartige Stimmung – für uns ein unvergesslicher Tag.
Und irgendwie passt es doch: 40 Jahre gemeinsam unterwegs – und zwei Tage später machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Rom. ❤️
Warum gerade die Via Francigena?
Die Via Francigena ist viel älter als unsere Gravelbikes. Ihre berühmteste historische Beschreibung geht auf Sigeric, den Erzbischof von Canterbury, zurück, der im Jahr 990 nach Rom reiste und seine Etappen dokumentierte.
Heute kann man diesen historischen Pilgerweg nicht nur zu Fuss erleben. Für Velofahrer wurde eine eigene Route entwickelt, die möglichst nahe am Pilgerweg bleibt, aber Nebenstrassen, lokale Velorouten und Abschnitte des europäischen EuroVelo-Netzes nutzt.
Die EuroVelo 5 – Via Romea (Francigena) führt heute sogar über rund 3’250 Kilometer durch sieben Länder von England über Mitteleuropa und die Alpen nach Italien – über Rom hinaus bis Brindisi.
Und genau diese Mischung erleben wir jeden Tag: historische Pilgerwege, kleine Strassen, Gravel, Flussdämme, Velowege – manchmal hervorragend, manchmal abenteuerlich und gelegentlich fragt man sich schon, wer diesen Track eigentlich mit dem Velo getestet hat. 😅
Unterwegs begegnen wir immer wieder Wanderern, die tatsächlich zu Fuss Richtung Rom unterwegs sind. Für mich kaum vorstellbar! Mit dem Velo sind wir zwei- bis dreimal schneller, können grosse Distanzen zurücklegen und erleben die Landschaft trotzdem intensiv.
Und wer brachte uns überhaupt auf diese Idee?
Mein ehemaliger Triathlonkumpel und heutiger Bikepacking-Gleichgesinnter Daniel Zenklusen. Er ist diese Route vor einem Jahr zusammen mit Susanne gefahren und hat damit bei mir offenbar einen kleinen Virus hinterlassen.
Während wir nun ihren Spuren Richtung Rom folgen, sind die beiden bereits beim nächsten Abenteuer – momentan in Marokko. 😄
Und genau das gefällt mir an dieser Reise besonders:
Für ein grosses Abenteuer müssen wir nicht zuerst in die USA, nach Neuseeland oder Asien fliegen.
Wir sind in der Schweiz in den Zug gestiegen, vier Stunden später in Orsières ausgestiegen – und seither über den Grossen Sankt Bernhard, durch das Aostatal, die Reisfelder des Piemonte, entlang von Ticino und Po, über den Apennin und bis ans Mittelmeer gefahren.
Und vor uns liegen jetzt die Hügel der Toscana, Siena und irgendwann Roma.
Das Schöne liegt manchmal erstaunlich nahe. Man muss nur losfahren. 🚴♂️
Tag 8 - Zurück in die Vergangenheit … und vorwärts ans Meer!
Manchmal fühlt sich die Via Francigena tatsächlich wie eine kleine Zeitreise an. Kaum verlässt man die Hauptstrasse, verschwinden Verkehr, moderne Häuser und Alltag – und plötzlich rollen wir durch enge Gassen, über jahrhundertealtes Pflaster und vorbei an alten Steinhäusern, die vermutlich schon unzählige Pilger kommen und gehen sahen.
Manchmal fühlt sich die Via Francigena tatsächlich wie eine kleine Zeitreise an. Kaum verlässt man die Hauptstrasse, verschwinden Verkehr, moderne Häuser und Alltag – und plötzlich rollen wir durch enge Gassen, über jahrhundertealtes Pflaster und vorbei an alten Steinhäusern, die vermutlich schon unzählige Pilger kommen und gehen sahen.
Hoch über den Dörfern wachen Burgen, Kirchtürme schlagen noch immer die Stunden – und eigentlich erinnern uns nur unsere Gravelbikes mit Navi, und Smartphone daran, dass wir doch im Jahr 2026 unterwegs sind. 😇
Je näher wir dem Meer kamen, desto wärmer wurde es – allerdings auch hektischer auf den Strassen.
In Sarzana, einem wunderschönen kleinen Städtchen, war Zeit für den Lunch: Focaccia und ein Bier – unkompliziert, italienisch und genau das Richtige.
Danach zeigte uns die Via Francigena nochmals ihre wilde Seite: Richtung Marina führte sie uns durch dichte Schilfpassagen und über kleine Flussübergänge. Gravelbike eben – irgendeine Überraschung findet sich immer. 😜
Und dann plötzlich: das Meer!
Sieben Tage hat es gedauert, von der Alpennordseite über den Grossen Sankt Bernhard, durch das Aostatal und die Po-Ebene, über den Apennin und hinein in die Toscana – bis wir heute endlich am Meer standen.
In Marina di Massa bezogen wir ein grosszügiges Appartement ganz in Strandnähe. Und morgen gilt: Ruhetag! Räder stehen lassen, Beine hoch und ab an den Strand.
Zum Abendessen sollte es eigentlich Fisch geben. Google Maps hatte auch gleich das passende Restaurant für uns – nur wusste Google offenbar noch nicht, dass es dieses gar nicht mehr gibt. 😂
Also weitersuchen … und kurz darauf landeten wir in einer Pizzeria & Cucina. Volltreffer! Langsam kommen wir zur Erkenntnis: In Italien muss man sich ums Essen eigentlich keine Sorgen machen – irgendwo wartet immer etwas richtig Gutes.
Zurück im Appartement gab’s zum Tagesabschluss noch Fussball: Schottland – Schweiz 0:3. Ein erfreulicher Abschluss eines ohnehin ziemlich gelungenen Tages.
Tag 7 - Über den Apennin in die Toscana!
Heute hiess es endgültig: Ciao Po-Ebene! Nach Tagen im Flachland wurde unsere Via Francigena wieder deutlich dreidimensionaler. 😅
Über 1’300 Höhenmeter führte uns die Route hinauf in den Apennin und schliesslich über den Passo della Cisa. Die Beine hatten wieder ordentlich zu tun – aber mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft schöner und bergiger.
Heute hiess es endgültig: Ciao Po-Ebene! Nach Tagen im Flachland wurde unsere Via Francigena wieder deutlich dreidimensionaler. 😅
Über 1’300 Höhenmeter führte uns die Route hinauf in den Apennin und schliesslich über den Passo della Cisa. Die Beine hatten wieder ordentlich zu tun – aber mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft schöner und bergiger.
Und was gehört zu einer richtigen Passfahrt in Italien? Natürlich ein Pasta-Lunch in den Bergen! 🍝 Kohlenhydrate nachfüllen, Beine kurz ausruhen – und weiter.
Nach dem Cisa dann der besondere Moment: Wir sind in der Toscana! 🇮🇹
Und als Willkommensgeschenk gab’s gleich eine lange Abfahrt auf der Via Francigena Sud hinunter nach Pontremoli. Nach dem langen Aufstieg einfach rollen lassen – herrlich!
Unser Nachtlager passt ebenfalls bestens zu unserer Reisegeschichte: Nachdem wir auf dem Grossen Sankt Bernhard schon Napoleon begegnet sind, schlafen wir heute ausgerechnet im Hotel Napoleon. 😇
Der Mann verfolgt uns offenbar bis in die Toscana! 😂
Tag 6 - Castel San Giovanni → Parma 93 km
Die Po-Ebene liegt hinter uns! Nach Tagen zwischen Reisfeldern, Flüssen und endlos flachem Land wartet morgen eine ganz andere Nummer: der Passo della Cisa. Noch einmal ordentlich Höhenmeter sammeln – und dann geht’s hinunter in die Toscana! 😅
Die Po-Ebene liegt hinter uns! Nach Tagen zwischen Reisfeldern, Flüssen und endlos flachem Land wartet morgen eine ganz andere Nummer: der Passo della Cisa. Noch einmal ordentlich Höhenmeter sammeln – und dann geht’s hinunter in die Toscana! 😅
Heute war aber zunächst Sonntagsruhe angesagt. Kaum Lastwagen auf den Strassen und die Via Francigena führte uns einmal mehr weitgehend abseits des grossen Verkehrs. Waren gestern noch mehr als 50 % Gravel angesagt, waren es heute vielleicht 10 %. Entsprechend flott kamen wir voran.
Erster längerer Halt: Piacenza. Eine Stadt, deren Namen ich bisher hauptsächlich von den Autobahnschildern kannte. Höchste Zeit also, einmal hineinzufahren!
Auf dem Hauptplatz dann eine Überraschung: Hunderte Menschen verfolgten live eine politische Talkshow. Dank meiner AirPods konnte ich sogar verstehen, worüber diskutiert wurde – die Übersetzung direkt und in Echtzeit ins Ohr. 👍 Technik, die unterwegs tatsächlich Spass macht!
Danach wartete ein ganz anderer Höhepunkt: die wunderschöne Abbazia di Chiaravalle della Colomba. Ein eindrückliches, für Norditalien typisch von Backstein geprägtes Kloster – und natürlich musste Beatrices Pilgerpass wieder zum Einsatz kommen. Diesmal gab’s den Stempel sogar höchstpersönlich von einem Mönch. 😇 Langsam wird diese Stempelsammlung richtig authentisch!
Eigentlich hätte ich Beatrice heute durchaus eine etwas kürzere Etappe zugestanden. Wirklich!
Aber die verfügbaren Hotels entsprachen offenbar nicht ganz ihren Vorstellungen. 😂 Also wurde weitergeradelt … und weiter … bis wir schliesslich nach 93 Kilometern Parma erreichten.
Jetzt stehen wir am Fuss des Apennins. Morgen wird aus der flachen Via Francigena wieder eine ziemlich dreidimensionale Angelegenheit.
Passo della Cisa – wir kommen!
Tag 5 - Zum Thema saubere Gravelbikes…
Gemütlicher hätte der Tag kaum beginnen können: Kaffee und Brioche in einem italienischen Café in Mortara. ☕️ Danach auf die frisch geputzten Gravelbikes und entspannt der Via Francigena folgen.o
Mortara - Pavia - Castelo San Giovanni
83km 207Hm 4:22
Gemütlicher hätte der Tag kaum beginnen können: Kaffee und Brioche in einem italienischen Café in Mortara. ☕️ Danach auf die frisch geputzten Gravelbikes und entspannt der Via Francigena folgen.
Der Zustand „frisch geputzt“ hielt ungefähr bis zum Ortsausgang. 😂
Kaum ausserhalb von Mortara, führte uns der Track durch tiefe Sandpassagen, die nicht nur unsere Fahrkünste auf die Probe stellten. Irgendwann entschieden wir: Das müssen wir uns nicht antun. Alternative gesucht, gefunden – und schon kamen wir wieder zügig voran.
In Pavia fuhren wir über den berühmten Ponte Coperto, die wunderschöne gedeckte Brücke über den Ticino, direkt in die Altstadt. Dort meldete Beatrice akuten Hunger an, der mit einer Portion Gnocchi erfolgreich bekämpft wurde.
Gut gestärkt wollten wir weiter – doch Beatrices Vorderreifen hatte offenbar andere Pläne: platt! 🙈 Also Schlauch raus, neuen rein – und endlich durfte meine neue elektrische Minipumpe zeigen, wofür ich sie mitschleppe. Ratzfatz wieder fahrbereit!
Danach wurde es landschaftlich richtig spannend. Kilometerlang fuhren wir auf hohen Dämmen durch die Hochwasserschutzgebiete entlang von Ticino und Po. Breite Flüsse, Seitenarme und riesige Wasserflächen – enorm, wie sehr diese Landschaft südlich von Mailand vom Wasser geprägt wird.
Besonders eindrücklich war die lange Brücke im Gebiet, wo der Ticino kurz darauf in den Po mündet. Eine gewaltige Wasserlandschaft!
Und irgendwann tauchte Castel San Giovanni auf. Zeit für den inzwischen fast schon obligatorischen Aperitivo – bei einem … oder vielleicht auch zwei IPA. 😅
Unser Hotel hat praktischerweise gleich eine eigene Pizzeria. Und die scheint ziemlich bekannt zu sein: Das Lokal ist voll – und rundherum wird in jener typisch italienischen Lautstärke diskutiert, bei der man auch ohne ein Wort zu verstehen das Gefühl hat, mitten im Gespräch zu sitzen.
Ein ziemlich perfekter italienischer Abschluss für einen nicht ganz perfekten Gravel-Tag. 🇮🇹
Tag 4 - Mitten im Reisland – und plötzlich dreht sich alles um die Gans!
Heute führte uns die Via Francigena kilometerweit durch eine Landschaft, die wir im Piemonte so nicht erwartet hatten: Reisfelder, soweit das Auge reicht!
Und wir kamen genau zur richtigen Zeit. Ende September ist Erntezeit und wir konnten live zuschauen, wie eine riesige Erntemaschine den Reis aberntete und gleich nebenher einen Anhänger füllte. Landwirtschaft im XXL-Format – eindrücklich!
Ivrea - Vercelli - Mortara 86km, 280Hm
Heute führte uns die Via Francigena kilometerweit durch eine Landschaft, die wir im Piemonte so nicht erwartet hatten: Reisfelder, soweit das Auge reicht!
Und wir kamen genau zur richtigen Zeit. Ende September ist Erntezeit und wir konnten live zuschauen, wie eine riesige Erntemaschine den Reis aberntete und gleich nebenher einen Anhänger füllte. Landwirtschaft im XXL-Format – eindrücklich!
Rund um Vercelli, wo wir unseren Mittagshalt einlegten, liegt eines der bedeutendsten Reisanbaugebiete Europas. Carnaroli, Arborio & Co. wachsen hier praktisch direkt am Radweg – da bekommt das Risotto plötzlich eine ganz andere Bedeutung. 😋
Nach Vercelli ging’s weiter durch die endlosen Felder bis nach Mortara. Und dort wartete die nächste Überraschung: Wir landeten ausgerechnet mitten in der 59. Sagra del Salame d’Oca, dem traditionellen Fest rund um die Gans. Das grosse Festwochenende mit Spezialitäten, Musik, historischem Umzug und Palio steht unmittelbar bevor. (Sagra Del Salame D’Oca)
Vom Reis zur Gans also – kulinarisch sind wir definitiv in der richtigen Gegend gelandet!
Vor dem Hotel gab’s allerdings noch einen wichtigen Programmpunkt: Carwash! Nicht für uns, sondern für unsere Gravelbikes. Nach all den staubigen und dreckigen Kilometern hatten sie eine Dusche dringend nötig.
Frisch gewaschen durften sie danach sogar mit aufs Hotelzimmer. So konnten wir sie mit gutem Gewissen neben unseren Betten parkieren. 😂
Reisernte, Gänsefest und Bike-Wäsche – wieder so ein Tag, den man am Morgen garantiert nicht planen kann!
Tag 3 – Aosta → Ivrea 103 km 707 Hm
Der Tag begann ausgesprochen gemütlich. Raus aus Aosta, runter zur Dora und entspannt dem Fluss entlang. So könnte es eigentlich bis Rom weitergehen …
Der Tag begann ausgesprochen gemütlich. Raus aus Aosta, runter zur Dora und entspannt dem Fluss entlang. So könnte es eigentlich bis Rom weitergehen …
Doch die Via Francigena hatte andere Pläne. Plötzlich bog unser Track links ab und führte hinauf nach Saint-Vincent – ein schmuckes Örtchen mit herrlichem Blick über das Aostatal. Danach wieder runter zur Dora, ein Stück dem Fluss entlang – und bei Bard natürlich nochmals hoch zur Burg. 😅
Langsam verstehen wir den Charakter der Via Francigena: Ursprünglich ein Pilgerweg für Wanderer, nimmt sie praktisch jeden historischen Hotspot mit. Die Veloroute versucht diesem Weg zu folgen, nutzt dabei offizielle Radrouten – die in Italien allerdings gerne mal aus ziemlich viel Schotter bestehen.
Bis Ivrea lief alles bestens. Beim obligaten Aperitivo wollten wir gemütlich ein Hotel buchen. Keine Chance! Kein Hotel, kein B&B und auch bei Warmshowers nichts – und das in einer Stadt mit rund 23’000 Einwohnern. Der Grund: ein internationaler Wildwasser-Wettkampf auf der Dora!
Erst etwa 8 km ausserhalb fanden wir noch ein freies B&B. Also aufsitzen und los.
Und dann mein persönliches Highlight des Tages: Der Track führte ostwärts – und plötzlich fuhr ich gegen Abend der Sonne entgegen. 🤔 Moment mal … Sonne? Westen? Rom? Osten?
Falsche Richtung! 🙈
Ich hätte mich ohrfeigen können. Eine wunderschöne, aber völlig überflüssige 12-km-Zusatzschlaufe. Als ob 100 Kilometer nicht gereicht hätten!
Dafür wurden wir im B&B umso herzlicher empfangen. Ein wunderschöner Ort und zum Abschluss ein super piemontesisches Essen – spätestens danach waren die zusätzlichen Kilometer wieder fast vergessen.
Merke: Auch auf dem Weg nach Rom sollte man gelegentlich schauen, wo die Sonne steht. 😂
Tag 2 - Über den Grossen Sankt Bernhard nach Aosta
Was für ein Tag! Am Morgen noch dick eingepackt in Winterklamotten, wenig später bereits wieder im Sommerdress.
Bourg-St-Pierre 🇨🇭- Aosta 🇮🇹 48km, 850Hm
Was für ein Tag! Am Morgen noch dick eingepackt in Winterklamotten, wenig später bereits wieder im Sommerdress.
Die letzten 10 Kilometer hinauf zum Grossen Sankt Bernhard hatten es mit durchschnittlich rund 10 % Steigung ordentlich in sich. Oben auf 2’400 Metern gönnten wir uns eine Pause und etwas Geschichte: Schon Napoleon zog hier 1800 mit rund 40’000 Soldaten über die Alpen. Wir waren mit zwei Gravelbikes und ein paar Taschen deutlich bescheidener unterwegs. 😅
Nach einem Besuch im Hospiz und der kleinen Kirche hiess es endlich: abwärts Richtung Aosta! Fast 2’000 Höhenmeter lagen vor uns – allerdings nur ein Vergnügen, wenn die Bremsen funktionieren.
Kurz nach der Passhöhe stellte Beatrice nämlich fest, dass ihr Bike kaum noch richtig bremste. 🙈 Also Boxenstopp am Strassenrand, neue Bremsbeläge rein – zum Glück hatte ich Ersatz dabei! Bei den folgenden Tornanti definitiv keine unnötige Reparatur.
Danach: Genuss pur! Herrliche Landschaft, tolle Kurven und mit jedem verlorenen Höhenmeter wurde es wärmer.
In Aosta folgten wir einem Hoteltipp von Caro und Migg – und machten dabei gleich ein Schnäppchen: Direkt über die Hotelwebsite gebucht war das Zimmer 40 Euro günstiger als bei booking!
Nach Dusche und Gepäcksortieren ging’s in die wunderschöne Altstadt. Natürlich musste Beatrice zuerst ihren nächsten Via-Francigena-Stempel organisieren – langsam wird das zum wichtigsten Programmpunkt unserer Reise. 😂
Danach Aperitivo und zum Abendessen etwas Regionales: Polenta mit Hirschragout, dazu ein Wein aus dem Aostatal.
Tag 1 – Auf nach Rom: Fünfmal umsteigen und 720 Höhenmeter zum Einrollen 🚴♂️
Beatrice ist bereits voll im Pilgerfieber: Den ersten Stempel gab’s beim Start in Orsières, den zweiten gleich im Hotel in Bourg-Saint-Pierre. Die Pilgerkarte füllt sich – Rom, wir kommen!
Rheinfelden – Orsières – Bourg-Saint-Pierre | 13 km | 720 Hm
Endlich geht’s los! Unsere nächsten zwei Wochen stehen ganz im Zeichen der Via Francigena, dem historischen Pilgerweg, dem wir mit unseren Gravelbikes bis nach Rom folgen wollen.
Der Auftakt verlief allerdings etwas holprig: SBB-Verspätungen und in Basel gerade einmal drei Minuten Umsteigezeit. Doch es klappte! Ab Basel waren die Züge pünktlich, und selbst für unsere Gravelbikes gab es in jedem Wagen genügend Platz. Nach fünfmaligem Umsteigen und knapp vier Stunden Zugfahrt erreichten wir Orsières, am Fuss des Grossen Sankt Bernhard.
Die Pilgerkarriere beginnt
Beatrice hatte gleich eine wichtige Mission: den ersten Stempel für ihre Pilgerkarte organisieren! In Orsières wurde sie fündig, und damit war unsere Pilgerreise offiziell eröffnet. Schliesslich wollen wir nicht als Schwarzpilger in Rom ankommen. 😇
Nun durften endlich auch die Gravelbikes zeigen, wofür wir sie mitgeschleppt hatten. Unser Prolog nach Bourg-Saint-Pierre war mit 13 Kilometern zwar kurz, aber die 720 Höhenmeter sorgten bereits für etwas Betriebstemperatur. Zum Glück war auf der Strasse wenig Verkehr, und die Steigung hielt sich in angenehmen Grenzen.
Im Hotel angekommen, konnte Beatrice bereits den zweiten Stempel in ihrer Pilgerkarte verbuchen. Zwei Stempel am ersten Tag – wenn das so weitergeht, brauchen wir bald eine zweite Karte!
Fondue Chinoise statt Pasta
Da uns in den kommenden zwei Wochen die italienische Küche wohl kaum erspart bleiben wird – was natürlich keineswegs eine Drohung ist –, entschieden wir uns im Hotel vorsorglich für ein Fondue Chinoise. Ein gelungener kulinarischer Abschluss unseres ersten Reisetages! 😋
Morgen wird es dann ernst: Der Grosse Sankt Bernhard wartet auf uns.
Rom ist noch weit weg – aber die ersten beiden Stempel haben wir schon mal im Sack!