Philippe Martin Philippe Martin

Etappe 9 – Marina di Massa → Orbicciano | 45 km | 405 Hm

Nach unserem Ruhetag am Meer mussten wir zunächst zurück auf die Via Francigena. Doch dann kam mir eine vermeintlich geniale Idee: Warum nicht meinem Track vom Tuscany Trail 2019 folgen? Den war ich schliesslich schon einmal gefahren – was sollte da schiefgehen? 😇

Flashback Tuscany Trail 2019!

Nach unserem Ruhetag am Meer mussten wir zunächst zurück auf die Via Francigena. Doch dann kam mir eine vermeintlich geniale Idee: Warum nicht meinem Track vom Tuscany Trail 2019 folgen? Den war ich schliesslich schon einmal gefahren – was sollte da schiefgehen? 😇

Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Sechs Jahre später passte mein alter Track offenbar nicht mehr ganz zur Realität. Bald standen wir vor den ersten Hindernissen und sollten unsere Bikes tragen. Da kam von Beatrice eine unmissverständliche Ansage:

Sie habe keine Lust mehr, ihr Bike über irgendwelche Hindernisse zu schleppen! 😂

Damit war der Tuscany-Trail-Abstecher beendet. Wir suchten uns eine Landstrasse und fanden wenig später zurück auf die Via Francigena.

Die entschädigte uns sofort: Durch die ersten typisch toskanischen Landschaften führte sie uns über Pietrasanta und Camaiore in Richtung Lucca. Unser Tagesziel lag allerdings etwas oberhalb: Orbicciano.

Dort erwartete uns eine Einladung von Maura und Josy, die für einige Wochen das wunderschöne „The Old Stone House“ gemietet hatten. Ihre Idee gefällt uns sehr: irgendwo in Europa ein Haus mieten und die Türen für Freunde öffnen – ein echtes Open House for Friends.

Mit Andrea und Philipp waren bereits weitere Gäste da, und schnell wurde aus dem Etappenende ein geselliger Abend. Die Frauen übernahmen die Küche, wir Männer den Grill. Zumindest theoretisch: Bis das Feuer endlich brannte, war unsere technische Kompetenz kurzzeitig fraglich. 😅

Doch schliesslich glühte die Kohle, und wir sassen draussen in der Toscana bei gutem Essen, feinem italienischem Wein und noch besseren Gesprächen.

Manchmal sind es eben nicht die Kilometer und Höhenmeter, die einen Reisetag besonders machen – sondern die Menschen, die am Ende der Etappe auf einen warten. 🍷🇮🇹

Grazie di tutta cuore, Maura e Josy 😚

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Ruhetag – und warum wir eigentlich nach Rom radeln

Nach sieben Tagen hintereinander auf dem Velo war es Zeit für einen Ruhetag. Und wo könnte man den besser verbringen als am Meer? In Marina di Massa haben wir unweit des Strandes günstig ein ganzes Appartement gefunden – perfekte Voraussetzungen für einen Tag „dolce far niente“.

Nach sieben Tagen hintereinander auf dem Velo war es Zeit für einen Ruhetag. Und wo könnte man den besser verbringen als am Meer? In Marina di Massa haben wir unweit des Strandes günstig ein ganzes Appartement gefunden – perfekte Voraussetzungen für einen Tag „dolce far niente“.

Wobei … wer Beatrice kennt, weiss: Ruhetag heisst lediglich, dass nicht geradelt wird. Dafür wird kilometerweit „spaziert“. 😂

Was natürlich nicht fehlen durfte: ein ausgiebiges Schwimmen im Meer. Herrlich! Genau dafür liebe ich das offene Wasser.

Aber warum fahren wir eigentlich nach Rom?

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Wir hatten uns vorgenommen, dieses Jahr erst nach den Sommerschulferien nochmals auf eine längere Reise zu gehen. Wenn die grosse Ferienwelle vorbei ist, wird es ruhiger, die Temperaturen sind angenehmer – und der September ist dafür eigentlich perfekt. Wobei: Nächste Woche beginnen bereits wieder die Herbstferien. Mal schauen, wie viele Landsleute uns dann entgegenkommen. 😉

Der zweite Grund ist ein ganz besonderer: Zwei Tage vor unserer Abreise feierten Beatrice und ich unseren 40. Hochzeitstag.

Zusammen mit vielen lieben Freunden und Wegbegleitern durften wir bei Strübins in Maisprach ein wunderschönes Fest erleben. Feines Essen, perfektes Wetter, grossartige Stimmung – für uns ein unvergesslicher Tag.

Und irgendwie passt es doch: 40 Jahre gemeinsam unterwegs – und zwei Tage später machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Rom. ❤️

Warum gerade die Via Francigena?

Die Via Francigena ist viel älter als unsere Gravelbikes. Ihre berühmteste historische Beschreibung geht auf Sigeric, den Erzbischof von Canterbury, zurück, der im Jahr 990 nach Rom reiste und seine Etappen dokumentierte.

Heute kann man diesen historischen Pilgerweg nicht nur zu Fuss erleben. Für Velofahrer wurde eine eigene Route entwickelt, die möglichst nahe am Pilgerweg bleibt, aber Nebenstrassen, lokale Velorouten und Abschnitte des europäischen EuroVelo-Netzes nutzt.

Die EuroVelo 5 – Via Romea (Francigena) führt heute sogar über rund 3’250 Kilometer durch sieben Länder von England über Mitteleuropa und die Alpen nach Italien – über Rom hinaus bis Brindisi.

Und genau diese Mischung erleben wir jeden Tag: historische Pilgerwege, kleine Strassen, Gravel, Flussdämme, Velowege – manchmal hervorragend, manchmal abenteuerlich und gelegentlich fragt man sich schon, wer diesen Track eigentlich mit dem Velo getestet hat. 😅

Unterwegs begegnen wir immer wieder Wanderern, die tatsächlich zu Fuss Richtung Rom unterwegs sind. Für mich kaum vorstellbar! Mit dem Velo sind wir zwei- bis dreimal schneller, können grosse Distanzen zurücklegen und erleben die Landschaft trotzdem intensiv.

Und wer brachte uns überhaupt auf diese Idee?

Mein ehemaliger Triathlonkumpel und heutiger Bikepacking-Gleichgesinnter Daniel Zenklusen. Er ist diese Route vor einem Jahr zusammen mit Susanne gefahren und hat damit bei mir offenbar einen kleinen Virus hinterlassen.

Während wir nun ihren Spuren Richtung Rom folgen, sind die beiden bereits beim nächsten Abenteuer – momentan in Marokko. 😄

Und genau das gefällt mir an dieser Reise besonders:

Für ein grosses Abenteuer müssen wir nicht zuerst in die USA, nach Neuseeland oder Asien fliegen.

Wir sind in der Schweiz in den Zug gestiegen, vier Stunden später in Orsières ausgestiegen – und seither über den Grossen Sankt Bernhard, durch das Aostatal, die Reisfelder des Piemonte, entlang von Ticino und Po, über den Apennin und bis ans Mittelmeer gefahren.

Und vor uns liegen jetzt die Hügel der Toscana, Siena und irgendwann Roma.

Das Schöne liegt manchmal erstaunlich nahe. Man muss nur losfahren. 🚴‍♂️

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 8 - Zurück in die Vergangenheit … und vorwärts ans Meer!

Manchmal fühlt sich die Via Francigena tatsächlich wie eine kleine Zeitreise an. Kaum verlässt man die Hauptstrasse, verschwinden Verkehr, moderne Häuser und Alltag – und plötzlich rollen wir durch enge Gassen, über jahrhundertealtes Pflaster und vorbei an alten Steinhäusern, die vermutlich schon unzählige Pilger kommen und gehen sahen.

Manchmal fühlt sich die Via Francigena tatsächlich wie eine kleine Zeitreise an. Kaum verlässt man die Hauptstrasse, verschwinden Verkehr, moderne Häuser und Alltag – und plötzlich rollen wir durch enge Gassen, über jahrhundertealtes Pflaster und vorbei an alten Steinhäusern, die vermutlich schon unzählige Pilger kommen und gehen sahen.

Hoch über den Dörfern wachen Burgen, Kirchtürme schlagen noch immer die Stunden – und eigentlich erinnern uns nur unsere Gravelbikes mit Navi, und Smartphone daran, dass wir doch im Jahr 2026 unterwegs sind. 😇

Je näher wir dem Meer kamen, desto wärmer wurde es – allerdings auch hektischer auf den Strassen.

In Sarzana, einem wunderschönen kleinen Städtchen, war Zeit für den Lunch: Focaccia und ein Bier – unkompliziert, italienisch und genau das Richtige.

Danach zeigte uns die Via Francigena nochmals ihre wilde Seite: Richtung Marina führte sie uns durch dichte Schilfpassagen und über kleine Flussübergänge. Gravelbike eben – irgendeine Überraschung findet sich immer. 😜

Und dann plötzlich: das Meer!

Sieben Tage hat es gedauert, von der Alpennordseite über den Grossen Sankt Bernhard, durch das Aostatal und die Po-Ebene, über den Apennin und hinein in die Toscana – bis wir heute endlich am Meer standen.

In Marina di Massa bezogen wir ein grosszügiges Appartement ganz in Strandnähe. Und morgen gilt: Ruhetag! Räder stehen lassen, Beine hoch und ab an den Strand.

Zum Abendessen sollte es eigentlich Fisch geben. Google Maps hatte auch gleich das passende Restaurant für uns – nur wusste Google offenbar noch nicht, dass es dieses gar nicht mehr gibt. 😂

Also weitersuchen … und kurz darauf landeten wir in einer Pizzeria & Cucina. Volltreffer! Langsam kommen wir zur Erkenntnis: In Italien muss man sich ums Essen eigentlich keine Sorgen machen – irgendwo wartet immer etwas richtig Gutes.

Zurück im Appartement gab’s zum Tagesabschluss noch Fussball: Schottland – Schweiz 0:3. Ein erfreulicher Abschluss eines ohnehin ziemlich gelungenen Tages.

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 7 - Über den Apennin in die Toscana!

Heute hiess es endgültig: Ciao Po-Ebene! Nach Tagen im Flachland wurde unsere Via Francigena wieder deutlich dreidimensionaler. 😅

Über 1’300 Höhenmeter führte uns die Route hinauf in den Apennin und schliesslich über den Passo della Cisa. Die Beine hatten wieder ordentlich zu tun – aber mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft schöner und bergiger.

Heute hiess es endgültig: Ciao Po-Ebene! Nach Tagen im Flachland wurde unsere Via Francigena wieder deutlich dreidimensionaler. 😅

Über 1’300 Höhenmeter führte uns die Route hinauf in den Apennin und schliesslich über den Passo della Cisa. Die Beine hatten wieder ordentlich zu tun – aber mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft schöner und bergiger.

Und was gehört zu einer richtigen Passfahrt in Italien? Natürlich ein Pasta-Lunch in den Bergen! 🍝 Kohlenhydrate nachfüllen, Beine kurz ausruhen – und weiter.

Nach dem Cisa dann der besondere Moment: Wir sind in der Toscana! 🇮🇹

Und als Willkommensgeschenk gab’s gleich eine lange Abfahrt auf der Via Francigena Sud hinunter nach Pontremoli. Nach dem langen Aufstieg einfach rollen lassen – herrlich!

Unser Nachtlager passt ebenfalls bestens zu unserer Reisegeschichte: Nachdem wir auf dem Grossen Sankt Bernhard schon Napoleon begegnet sind, schlafen wir heute ausgerechnet im Hotel Napoleon. 😇

Der Mann verfolgt uns offenbar bis in die Toscana! 😂

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 6 - Castel San Giovanni → Parma 93 km

Die Po-Ebene liegt hinter uns! Nach Tagen zwischen Reisfeldern, Flüssen und endlos flachem Land wartet morgen eine ganz andere Nummer: der Passo della Cisa. Noch einmal ordentlich Höhenmeter sammeln – und dann geht’s hinunter in die Toscana! 😅

Die Po-Ebene liegt hinter uns! Nach Tagen zwischen Reisfeldern, Flüssen und endlos flachem Land wartet morgen eine ganz andere Nummer: der Passo della Cisa. Noch einmal ordentlich Höhenmeter sammeln – und dann geht’s hinunter in die Toscana! 😅

Heute war aber zunächst Sonntagsruhe angesagt. Kaum Lastwagen auf den Strassen und die Via Francigena führte uns einmal mehr weitgehend abseits des grossen Verkehrs. Waren gestern noch mehr als 50 % Gravel angesagt, waren es heute vielleicht 10 %. Entsprechend flott kamen wir voran.

Erster längerer Halt: Piacenza. Eine Stadt, deren Namen ich bisher hauptsächlich von den Autobahnschildern kannte. Höchste Zeit also, einmal hineinzufahren!

Auf dem Hauptplatz dann eine Überraschung: Hunderte Menschen verfolgten live eine politische Talkshow. Dank meiner AirPods konnte ich sogar verstehen, worüber diskutiert wurde – die Übersetzung direkt und in Echtzeit ins Ohr. 👍 Technik, die unterwegs tatsächlich Spass macht!

Danach wartete ein ganz anderer Höhepunkt: die wunderschöne Abbazia di Chiaravalle della Colomba. Ein eindrückliches, für Norditalien typisch von Backstein geprägtes Kloster – und natürlich musste Beatrices Pilgerpass wieder zum Einsatz kommen. Diesmal gab’s den Stempel sogar höchstpersönlich von einem Mönch. 😇 Langsam wird diese Stempelsammlung richtig authentisch!

Eigentlich hätte ich Beatrice heute durchaus eine etwas kürzere Etappe zugestanden. Wirklich!

Aber die verfügbaren Hotels entsprachen offenbar nicht ganz ihren Vorstellungen. 😂 Also wurde weitergeradelt … und weiter … bis wir schliesslich nach 93 Kilometern Parma erreichten.

Jetzt stehen wir am Fuss des Apennins. Morgen wird aus der flachen Via Francigena wieder eine ziemlich dreidimensionale Angelegenheit.

Passo della Cisa – wir kommen!

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 5 - Zum Thema saubere Gravelbikes…

Gemütlicher hätte der Tag kaum beginnen können: Kaffee und Brioche in einem italienischen Café in Mortara. ☕️ Danach auf die frisch geputzten Gravelbikes und entspannt der Via Francigena folgen.o

Mortara - Pavia - Castelo San Giovanni

83km 207Hm 4:22

Gemütlicher hätte der Tag kaum beginnen können: Kaffee und Brioche in einem italienischen Café in Mortara. ☕️ Danach auf die frisch geputzten Gravelbikes und entspannt der Via Francigena folgen.

Der Zustand „frisch geputzt“ hielt ungefähr bis zum Ortsausgang. 😂

Kaum ausserhalb von Mortara, führte uns der Track durch tiefe Sandpassagen, die nicht nur unsere Fahrkünste auf die Probe stellten. Irgendwann entschieden wir: Das müssen wir uns nicht antun. Alternative gesucht, gefunden – und schon kamen wir wieder zügig voran.

In Pavia fuhren wir über den berühmten Ponte Coperto, die wunderschöne gedeckte Brücke über den Ticino, direkt in die Altstadt. Dort meldete Beatrice akuten Hunger an, der mit einer Portion Gnocchi erfolgreich bekämpft wurde.

Gut gestärkt wollten wir weiter – doch Beatrices Vorderreifen hatte offenbar andere Pläne: platt! 🙈 Also Schlauch raus, neuen rein – und endlich durfte meine neue elektrische Minipumpe zeigen, wofür ich sie mitschleppe. Ratzfatz wieder fahrbereit!

Danach wurde es landschaftlich richtig spannend. Kilometerlang fuhren wir auf hohen Dämmen durch die Hochwasserschutzgebiete entlang von Ticino und Po. Breite Flüsse, Seitenarme und riesige Wasserflächen – enorm, wie sehr diese Landschaft südlich von Mailand vom Wasser geprägt wird.

Besonders eindrücklich war die lange Brücke im Gebiet, wo der Ticino kurz darauf in den Po mündet. Eine gewaltige Wasserlandschaft!

Und irgendwann tauchte Castel San Giovanni auf. Zeit für den inzwischen fast schon obligatorischen Aperitivo – bei einem … oder vielleicht auch zwei IPA. 😅

Unser Hotel hat praktischerweise gleich eine eigene Pizzeria. Und die scheint ziemlich bekannt zu sein: Das Lokal ist voll – und rundherum wird in jener typisch italienischen Lautstärke diskutiert, bei der man auch ohne ein Wort zu verstehen das Gefühl hat, mitten im Gespräch zu sitzen.

Ein ziemlich perfekter italienischer Abschluss für einen nicht ganz perfekten Gravel-Tag. 🇮🇹

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 4 - Mitten im Reisland – und plötzlich dreht sich alles um die Gans!

Heute führte uns die Via Francigena kilometerweit durch eine Landschaft, die wir im Piemonte so nicht erwartet hatten: Reisfelder, soweit das Auge reicht!

Und wir kamen genau zur richtigen Zeit. Ende September ist Erntezeit und wir konnten live zuschauen, wie eine riesige Erntemaschine den Reis aberntete und gleich nebenher einen Anhänger füllte. Landwirtschaft im XXL-Format – eindrücklich!

Ivrea - Vercelli - Mortara 86km, 280Hm

Heute führte uns die Via Francigena kilometerweit durch eine Landschaft, die wir im Piemonte so nicht erwartet hatten: Reisfelder, soweit das Auge reicht!

Und wir kamen genau zur richtigen Zeit. Ende September ist Erntezeit und wir konnten live zuschauen, wie eine riesige Erntemaschine den Reis aberntete und gleich nebenher einen Anhänger füllte. Landwirtschaft im XXL-Format – eindrücklich!

Rund um Vercelli, wo wir unseren Mittagshalt einlegten, liegt eines der bedeutendsten Reisanbaugebiete Europas. Carnaroli, Arborio & Co. wachsen hier praktisch direkt am Radweg – da bekommt das Risotto plötzlich eine ganz andere Bedeutung. 😋

Nach Vercelli ging’s weiter durch die endlosen Felder bis nach Mortara. Und dort wartete die nächste Überraschung: Wir landeten ausgerechnet mitten in der 59. Sagra del Salame d’Oca, dem traditionellen Fest rund um die Gans. Das grosse Festwochenende mit Spezialitäten, Musik, historischem Umzug und Palio steht unmittelbar bevor. (Sagra Del Salame D’Oca⁠)

Vom Reis zur Gans also – kulinarisch sind wir definitiv in der richtigen Gegend gelandet!

Vor dem Hotel gab’s allerdings noch einen wichtigen Programmpunkt: Carwash! Nicht für uns, sondern für unsere Gravelbikes. Nach all den staubigen und dreckigen Kilometern hatten sie eine Dusche dringend nötig.

Frisch gewaschen durften sie danach sogar mit aufs Hotelzimmer. So konnten wir sie mit gutem Gewissen neben unseren Betten parkieren. 😂

Reisernte, Gänsefest und Bike-Wäsche – wieder so ein Tag, den man am Morgen garantiert nicht planen kann!

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 3 – Aosta → Ivrea 103 km 707 Hm

Der Tag begann ausgesprochen gemütlich. Raus aus Aosta, runter zur Dora und entspannt dem Fluss entlang. So könnte es eigentlich bis Rom weitergehen …

Der Tag begann ausgesprochen gemütlich. Raus aus Aosta, runter zur Dora und entspannt dem Fluss entlang. So könnte es eigentlich bis Rom weitergehen …

Doch die Via Francigena hatte andere Pläne. Plötzlich bog unser Track links ab und führte hinauf nach Saint-Vincent – ein schmuckes Örtchen mit herrlichem Blick über das Aostatal. Danach wieder runter zur Dora, ein Stück dem Fluss entlang – und bei Bard natürlich nochmals hoch zur Burg. 😅

Langsam verstehen wir den Charakter der Via Francigena: Ursprünglich ein Pilgerweg für Wanderer, nimmt sie praktisch jeden historischen Hotspot mit. Die Veloroute versucht diesem Weg zu folgen, nutzt dabei offizielle Radrouten – die in Italien allerdings gerne mal aus ziemlich viel Schotter bestehen.

Bis Ivrea lief alles bestens. Beim obligaten Aperitivo wollten wir gemütlich ein Hotel buchen. Keine Chance! Kein Hotel, kein B&B und auch bei Warmshowers nichts – und das in einer Stadt mit rund 23’000 Einwohnern. Der Grund: ein internationaler Wildwasser-Wettkampf auf der Dora!

Erst etwa 8 km ausserhalb fanden wir noch ein freies B&B. Also aufsitzen und los.

Und dann mein persönliches Highlight des Tages: Der Track führte ostwärts – und plötzlich fuhr ich gegen Abend der Sonne entgegen. 🤔 Moment mal … Sonne? Westen? Rom? Osten?

Falsche Richtung! 🙈

Ich hätte mich ohrfeigen können. Eine wunderschöne, aber völlig überflüssige 12-km-Zusatzschlaufe. Als ob 100 Kilometer nicht gereicht hätten!

Dafür wurden wir im B&B umso herzlicher empfangen. Ein wunderschöner Ort und zum Abschluss ein super piemontesisches Essen – spätestens danach waren die zusätzlichen Kilometer wieder fast vergessen.

Merke: Auch auf dem Weg nach Rom sollte man gelegentlich schauen, wo die Sonne steht. 😂

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 2 - Über den Grossen Sankt Bernhard nach Aosta


Was für ein Tag! Am Morgen noch dick eingepackt in Winterklamotten, wenig später bereits wieder im Sommerdress.

Bourg-St-Pierre 🇨🇭- Aosta 🇮🇹 48km, 850Hm

Was für ein Tag! Am Morgen noch dick eingepackt in Winterklamotten, wenig später bereits wieder im Sommerdress.

Die letzten 10 Kilometer hinauf zum Grossen Sankt Bernhard hatten es mit durchschnittlich rund 10 % Steigung ordentlich in sich. Oben auf 2’400 Metern gönnten wir uns eine Pause und etwas Geschichte: Schon Napoleon zog hier 1800 mit rund 40’000 Soldaten über die Alpen. Wir waren mit zwei Gravelbikes und ein paar Taschen deutlich bescheidener unterwegs. 😅

Nach einem Besuch im Hospiz und der kleinen Kirche hiess es endlich: abwärts Richtung Aosta! Fast 2’000 Höhenmeter lagen vor uns – allerdings nur ein Vergnügen, wenn die Bremsen funktionieren.

Kurz nach der Passhöhe stellte Beatrice nämlich fest, dass ihr Bike kaum noch richtig bremste. 🙈 Also Boxenstopp am Strassenrand, neue Bremsbeläge rein – zum Glück hatte ich Ersatz dabei! Bei den folgenden Tornanti definitiv keine unnötige Reparatur.

Danach: Genuss pur! Herrliche Landschaft, tolle Kurven und mit jedem verlorenen Höhenmeter wurde es wärmer.

In Aosta folgten wir einem Hoteltipp von Caro und Migg – und machten dabei gleich ein Schnäppchen: Direkt über die Hotelwebsite gebucht war das Zimmer 40 Euro günstiger als bei booking!

Nach Dusche und Gepäcksortieren ging’s in die wunderschöne Altstadt. Natürlich musste Beatrice zuerst ihren nächsten Via-Francigena-Stempel organisieren – langsam wird das zum wichtigsten Programmpunkt unserer Reise. 😂

Danach Aperitivo und zum Abendessen etwas Regionales: Polenta mit Hirschragout, dazu ein Wein aus dem Aostatal.

Weiterlesen
Philippe Martin Philippe Martin

Tag 1 – Auf nach Rom: Fünfmal umsteigen und 720 Höhenmeter zum Einrollen 🚴‍♂️

Beatrice ist bereits voll im Pilgerfieber: Den ersten Stempel gab’s beim Start in Orsières, den zweiten gleich im Hotel in Bourg-Saint-Pierre. Die Pilgerkarte füllt sich – Rom, wir kommen!

Rheinfelden – Orsières – Bourg-Saint-Pierre | 13 km | 720 Hm

Endlich geht’s los! Unsere nächsten zwei Wochen stehen ganz im Zeichen der Via Francigena, dem historischen Pilgerweg, dem wir mit unseren Gravelbikes bis nach Rom folgen wollen.

Der Auftakt verlief allerdings etwas holprig: SBB-Verspätungen und in Basel gerade einmal drei Minuten Umsteigezeit. Doch es klappte! Ab Basel waren die Züge pünktlich, und selbst für unsere Gravelbikes gab es in jedem Wagen genügend Platz. Nach fünfmaligem Umsteigen und knapp vier Stunden Zugfahrt erreichten wir Orsières, am Fuss des Grossen Sankt Bernhard.

Die Pilgerkarriere beginnt

Beatrice hatte gleich eine wichtige Mission: den ersten Stempel für ihre Pilgerkarte organisieren! In Orsières wurde sie fündig, und damit war unsere Pilgerreise offiziell eröffnet. Schliesslich wollen wir nicht als Schwarzpilger in Rom ankommen. 😇

Nun durften endlich auch die Gravelbikes zeigen, wofür wir sie mitgeschleppt hatten. Unser Prolog nach Bourg-Saint-Pierre war mit 13 Kilometern zwar kurz, aber die 720 Höhenmeter sorgten bereits für etwas Betriebstemperatur. Zum Glück war auf der Strasse wenig Verkehr, und die Steigung hielt sich in angenehmen Grenzen.

Im Hotel angekommen, konnte Beatrice bereits den zweiten Stempel in ihrer Pilgerkarte verbuchen. Zwei Stempel am ersten Tag – wenn das so weitergeht, brauchen wir bald eine zweite Karte!

Fondue Chinoise statt Pasta

Da uns in den kommenden zwei Wochen die italienische Küche wohl kaum erspart bleiben wird – was natürlich keineswegs eine Drohung ist –, entschieden wir uns im Hotel vorsorglich für ein Fondue Chinoise. Ein gelungener kulinarischer Abschluss unseres ersten Reisetages! 😋

Morgen wird es dann ernst: Der Grosse Sankt Bernhard wartet auf uns.

Rom ist noch weit weg – aber die ersten beiden Stempel haben wir schon mal im Sack!

Weiterlesen