Etappe 13 - Ein Schreckmoment auf dem Weg nach Rom
San Filippo → Viterbo | 100 km, 1’242 Hm
Der Tag begann eigentlich ganz friedlich. In Bagni San Filippo trafen wir bereits frühmorgens Menschen, die ihre Morgentoilette kurzerhand in der warmen Naturtherme erledigten. 😇 Wir verzichteten aus Zeitgründen auf das Wellnessprogramm, gönnten uns lieber ein richtiges Frühstück und machten uns auf den Weg.
Nach einer ersten Abfahrt ging’s natürlich bald wieder hoch. Wir kamen ganz in die Nähe von Radicofani, und bei mir wurden Erinnerungen wach: Während der Gravel Tuscany Rally hatte ich hier mit meinem Kumpel Adi schon einmal oben im Park übernachtet. Damals Abenteuer mit dem Kollegen – heute Bikepacking mit meiner lieben Frau.
Und genau da liegt ein kleiner Unterschied: Beatrice teilt meine Begeisterung fürs Graveln durchaus – solange daraus nicht plötzlich Outback wird. 😅
Doch genau das passierte.
Der Zustand der Via Francigena wurde zunehmend schlechter. Tiefe Löcher waren mit mehreren Zentimetern grobem, losem Kies aufgefüllt – unangenehm und vor allem rutschig.
Und dann passierte es.
Beatrices Vorderrad rutschte weg und sie stürzte heftig auf den rauen Untergrund – ausgerechnet ohne Handschuhe. Ich war vielleicht 100 Meter voraus und bekam überhaupt nichts mit. Erst als ich sie in meinem Rückspiegel nicht mehr sah, wurde ich stutzig, drehte um – und fand sie weinend am Boden. 🙈
Das war ein Moment, den niemand auf einer solchen Reise braucht.
Die Hände hatten einiges abbekommen, ebenso der linke Ellenbogen und die Knie. Zum Glück stellte sich nach dem ersten Schreck heraus: schmerzhafte Schürfungen und Prellungen, aber offensichtlich nichts gebrochen. Mitten im Nirgendwo hätte das sonst richtig schwierig werden können.
Wir versorgten die Wunden so gut es ging und schoben die Bikes die nächsten zwei Kilometer zu Fuss, bis wir wieder Asphalt unter den Reifen hatten.
Und dort fiel ein gemeinsamer Entscheid:
Schluss mit den schlechten Schotterpisten! Wir wollen schliesslich heil und mit einem Lächeln in Rom ankommen.
Auch das Bike hatte Glück – lediglich ein Bidonhalter ging zu Bruch.
Nach Panini und einem Bier sah die Welt bereits wieder etwas freundlicher aus. Und Beatrice? Die sass tatsächlich wieder auf ihrem Bike und fuhr weiter. Sie ist hart im Nehmen!
Am Nachmittag erreichten wir den Lago di Bolsena. So richtig sprang der Funke bei uns dort allerdings nicht über – also weiter. Und wie könnte es anders sein: natürlich nochmals bergauf. 😂
Bei Montefiascone auf rund 650 m wurden wir dafür mit einer fantastischen Aussicht über den riesigen Lago di Bolsena belohnt. Danach endlich die verdiente Gegenleistung: 16 Kilometer rassige Abfahrt nach Viterbo!
Mitten in der historischen Altstadt bezogen wir ein wunderschönes Appartement. Unser Vermieter Antonio spendierte uns sogar kostenlos ein Upgrade auf eine grössere Wohnung, damit auch unsere Gravelbikes sicher untergebracht werden konnten.
Grazie Antonio!
Und was für eine Wohnung: moderne Einrichtung hinter alten Mauern – inklusive eigener Sauna neben dem Wohnzimmer.
Am Abend dann noch eine Premiere: Es begann zu regnen. Der erste Regen seit 14 Tagen!
Die Prognose für morgen versprach noch deutlich mehr davon, während der Mittwoch wieder trocken werden soll. Also beschlossen wir spontan: Ruhetag Nummer zwei!
Um 23 Uhr schrieb ich Antonio per WhatsApp, ob wir noch eine Nacht bleiben könnten. Kein Problem – für einen kleinen Aufpreis gehört unser Luxusquartier nun einen weiteren Tag uns.
Zum Abschluss ging’s ins Restaurant gleich nebenan. Ausgezeichnetes Essen – obwohl ich erst danach die eher bescheidenen Google-Bewertungen von 3,7 Sternen entdeckte.
Wieder etwas gelernt: Nicht jeder Track ist fahrenswert und nicht jede Google-Bewertung ist die Wahrheit.
Und das Wichtigste nach diesem turbulenten Tag:
Beatrice geht’s gut, die Bikes stehen sicher – und Rom wartet weiterhin auf uns!