Etappe 14 – Roma, wir haben es geschafft! 🇮🇹
Viterbo → Rom | 115 km | 980 Hm | 6 Stunden
14 Etappen, unzählige Erlebnisse – und plötzlich sind wir in ROM!
Der Blick aus dem Fenster am Morgen war vielversprechend: trocken! Also nichts wie los. Vorher natürlich noch ein typisch italienisches Frühstück mit Schoggi-Gipfeli und einem Caffè doppio. So lässt sich auch eine letzte, lange Etappe gut in Angriff nehmen.
Kurz nach neun Uhr sassen wir bereits im Sattel und rollten auf welligen Strassen südwärts. Eines war allerdings klar: Heute kein Gravel mehr! Beatrices Handgelenk hatte beim Sturz doch einiges abbekommen, wie die inzwischen ziemlich violette Verfärbung deutlich zeigte. Also hatte ich eine Route ausschliesslich auf Asphalt zusammengestellt.
Das war allerdings einfacher gesagt als getan. Denn auf vielbefahrenen italienischen Strassen ohne Pannenstreifen macht Radfahren nicht immer Spass.
Aber jetzt muss ich den italienischen Autofahrern ein grosses Kränzchen winden!
Was wir hier erleben, ist wirklich bemerkenswert. Autos bleiben geduldig hinter uns, bis sie mit genügend Seitenabstand – mindestens 1,5 Meter – überholen können. Und das nicht etwa vereinzelt, sondern gefühlt bei 99,9 % aller Autofahrer!
Ob das in der Schweiz auch so selbstverständlich wäre? Ich habe da meine Zweifel …
Und die restlichen 0,1 %? Nun ja, die bekommen gelegentlich einen Stinkefinger oder ein paar deutliche Worte zu hören. Besonders wirkungsvoll, wenn diese von einer Frau kommen – das scheint manchen italienischen Macho besonders zu treffen. 😂
Ein letzter See vor der Grossstadt
Unser Abstecher zum Lago di Bracciano erwies sich als Volltreffer. Wunderschöne Landschaft, kaum Verkehr und ein gemütlicher Mittagshalt in einer Pizzeria direkt am See. Noch einmal italienisches Landleben geniessen, bevor uns die Millionenstadt verschluckt.
Doch je näher wir Rom kamen, desto dichter wurde der Verkehr. Eine vermeintlich clevere Variante über ruhige Nebenstrassen entpuppte sich als kleines Navigationsabenteuer: Fahrverbote, verschlossene Tore und Strassen, die laut Navi eigentlich durchgehend befahrbar sein sollten.
Das Navi wusste offenbar mehr als die italienischen Strassenbauer. 🙈
Irgendwann erreichten wir endlich den Tevere, den Tiber. Und dann die grosse Überraschung!
Eine Veloautobahn nach Rom – tatsächlich!
Ab Saxa Rubra, rund 20 Kilometer vor dem Zentrum, fanden wir einen durchgehenden, hervorragend fahrbaren Veloweg. Nach all dem Verkehrsstress fühlte sich das tatsächlich wie eine Veloautobahn mitten nach Rom an!
Wir konnten entspannt dem Fluss folgen und kamen der Innenstadt immer näher. Unglaublich, wie angenehm sich eine Millionenstadt auf zwei Rädern erreichen lässt, wenn die Infrastruktur stimmt.
Die letzten zwei bis drei Kilometer waren dann allerdings wieder typisch italienisch: markierte Velostreifen, die offenbar eher als Strassendekoration gedacht sind. 😅
Aber egal – wir waren am Ziel! ROMA!
Nach gut sechs Stunden Fahrzeit erreichten wir unser Appartement bei der neuen Metrostation Porta Metronia. Hier werden wir drei Nächte bleiben und die Stadt erkunden.
Unsere Wohnung im sechsten Stock ist ganz okay, auch wenn sie mit den wunderbaren Unterkünften der vergangenen zwei Wochen nicht ganz mithalten kann. Aber was soll’s – wir sind in Rom!
Im Supermarkt nebenan besorgten wir uns erst einmal das Wichtigste: etwas für den Aperitivo und ein kühles Moretti IPA. Salute – auf unsere erfolgreiche Reise! 🍻
Gegen 22 Uhr machten wir uns nochmals auf den Weg in ein nahegelegenes Restaurant. Eigentlich hatten wir gar keinen riesigen Hunger, aber die rund 3’000 verbrannten Kalorien wollten schliesslich irgendwie ersetzt werden.
Und dann passierte etwas, das man kaum besser hätte inszenieren können:
Nach zwei Wochen trockenem Wetter öffnete der Himmel plötzlich sämtliche Schleusen!
Es goss wie aus Kübeln. Ein richtiger Wolkenbruch!
Wir sassen gemütlich im Restaurant, unsere Gravelbikes standen sicher im Trockenen und draussen ging die Welt beinahe unter.
14 Etappen lang hatte Petrus seine Schleusen geschlossen gehalten – kaum sind wir in Rom, lässt er alles raus! 😂
Besser hätte man das Wetter wirklich nicht timen können.
Und irgendwie ist es schon ein besonderes Gefühl, nach all den Kilometern, Höhenmetern, Schotterpisten, kleinen Pannen und grossartigen Begegnungen tatsächlich mit den eigenen Velos in Rom angekommen zu sein.
Was für eine Reise – und was für ein gemeinsames Abenteuer!