Etappe 16 - Von Ultracyclisten, Gümmelern und der Sehnsucht nach einem Wienerschnitzel!
Rovereto → Bozen | 91 km | 240 Hm | 4 h 25 min
In der Nacht wurde es erstmals richtig frisch: 7 Grad! 🥶 Aber die Wetterprognose versprach Sonne und angenehme 20 Grad. Also keine Eile am Morgen!
Im Hotel «Zum Goldenen Löwen» genossen wir erst einmal das reichhaltige Frühstück. Bis alles wieder sauber in den Taschen verstaut und die Gravelbikes startklar waren, zeigte die Uhr bereits halb elf.
Ein überraschendes Treffen auf dem Etsch-Radweg
Dank Strava hatte ich entdeckt, dass Matthias, ein Cousin von Beatrice, ebenfalls auf dem Etsch-Radweg unterwegs war – allerdings in der Gegenrichtung!
Er war über den Flüela- und Reschenpass nach Südtirol gefahren. Also kurzer WhatsApp-Austausch und schon war ein Treffen irgendwo auf dem Radweg vereinbart.
Kurz vor Trento war es so weit. Was für ein Zufall!
Aus einem kurzen Hallo wurden rund 45 Minuten Fachsimpeln und Plaudern. Matthias ist begeisterter Ultracyclist und erkundet bereits Strecken für das NorthCape4000 im nächsten Jahr – genau jenes verrückte 4’000-Kilometer-Abenteuer, von dem ich gestern berichtet habe.
Dann hiess es Abschied nehmen: Matthias südwärts, wir nordwärts. Gute Fahrt!
Der Etsch-Radweg – ein rollendes Velomuseum
In Trento gab’s statt einer Kaffeepause gleich einen gemütlichen Mittagshalt mitten in der lebendigen Altstadt.
Der Etsch-Radweg ist wirklich hervorragend ausgebaut. Laut Matthias gilt das praktisch durchgehend vom Reschenpass bis hinunter ins Trentino.
Und entsprechend viel Betrieb herrscht hier!
Gefühlt 90 Prozent der Radreisenden sind elektrisch unterwegs – teilweise auf regelrechten Velo-Ungetümen, die eher an Motorräder erinnern. Dazu riesige Packtaschen, bei denen ich mich ernsthaft frage, was man da alles mitschleppt. Den halben Hausrat? 😂
Und dann gibt’s noch die andere Spezies: die Gümmeler!
Blitzblank geputzte Rennräder, selbstverständlich nur das Beste vom Besten, knallige Trikots und Kompressionssocken bis knapp unters Knie. Alles perfekt aufeinander abgestimmt!
Na ja, fast alles …
Denn als Coach kann ich es natürlich nicht lassen, die Sitzpositionen zu begutachten. Und da blutet mir gelegentlich das Herz: zu grosse oder zu kleine Rahmen, Sättel viel zu hoch oder zu tief.
Das teuerste Material nützt eben wenig, wenn der Mensch nicht richtig darauf sitzt!
Von Weintrauben zu Äpfeln
Auch die Landschaft veränderte sich langsam. Nach den endlosen Weinbergen des Trentino tauchten immer häufiger riesige Apfelplantagen auf.
Und wir kamen genau zur Erntezeit!
Die Äpfel werden tatsächlich von Hand gepflückt, anschliessend aber mit ausgeklügelten Maschinen sortiert und direkt in grosse Container abgefüllt. Landwirtschaft zwischen traditioneller Handarbeit und Hightech – spannend zuzuschauen!
Bozen – plötzlich fast schon Österreich!
Nach gut 90 Kilometern entlang der Etsch erreichten wir gegen 18 Uhr Bozen (Bolzano).
Eine lebendige Stadt, in der munter zwischen Deutsch und Italienisch gewechselt wird. Auch die Speisekarten sind zweisprachig – wir nähern uns unverkennbar der österreichischen Grenze!
Unser Appartement mitten in der Stadt ist übrigens ein kleines Hightech-Wunder: keine gewöhnlichen Lichtschalter, dafür Touchpanels, Türcodes und jede Menge Elektronik.
Und unsere Gravelbikes? Die dürfen auf dem Balkon übernachten! Nach dem Hoteltheater in Bologna wissen wir solche Gastfreundschaft besonders zu schätzen.
Nach zwei Wochen italienischer Küche mit Pasta, Pizza, Risotto und Co. verspüre ich nun allerdings eine ganz neue Sehnsucht …
Ein richtig grosses Wienerschnitzel! 😋
Mal schauen, ob Bozen diesen Wunsch erfüllen kann.
Buona notte – oder sagt man hier schon gute Nacht? 🇮🇹🇦🇹